Jürgen Rüttgers sang am 1. Mai 2009 beim DGB das linke Arbeiterlied „Brüder, zur Sonne zur Freiheit“. Der Schritt zu viel. Wieder sprangen ein paar Bürgerliche ab und verweigerten die Wahl, nachdem ihnen dank dieser Symbolik ihre politische Heimatlosigkeit bewusst wurde.

Horst Seehofer und sein Kronprinz Markus Söder kämpfen für ein System der sozialistischen Planwirtschaft, in dem der Staat bestimmt, was wer an welche Versicherung zu zahlen hat, was er dafür erwarten darf oder wann wer im Supermarkt einkaufen gehen darf. Die CSU darf nur dank Glück und FDP in Bayern noch regieren. Die Mehrheit hat sie ebenso verloren wie eine eigene Richtung.

Heiner Geißler wollte 1989 Helmut Kohl stürzen und das Ziel der deutschen Wiedervereinigung aus dem CDU-Programm streichen. Die blöden Ossis kamen ihm mit ihrer Massenflucht dazwischen, die Partei verzichtete darauf, sich vor der Geschichte ebenso lächerlich zu machen wie vorher schon SPD, FDP und Grüne. Seitdem hadert der verbitterte alte Mann mit seinem Schicksal, trauert der verpassten Kanzlerschaft hinterher und unterstützt das linksradikale Attac-Netzwerk, hat aber immer noch seinen Platz in der CDU. Leider.

Friedrich Merz und Roland Koch flohen aus ihren politischen Ämtern, weil sie für die klassische Wählerschicht der CDU stehen. Während die Funktionäre der CDU mehrheitlich gut an den 68er-Mainstream angepasst sind.

Günther Oettinger floh aus dem Amt als baden-württembergischer Ministerpräsident, weil er sich selber nicht entscheiden konnte, wohin er gehören wollte, aber einem Landesverband der CDU vorstand, der klare Kante verlangte. Also übernahm er ausgerechnet einen internationalen Posten, für den er minimales Talent (vor allem sprachlich) mitbringt, aber dafür trotz guter Bezahlung in Ruhe gelassen wird.

Dieter Althaus wäre gern unsterblich geworden. Unablässig auf der Suche nach einer guten Idee für besonderes Profil gefiel ihm die schlaraffische Spinnerei des bedingungslosen Grundeinkommens ohne Arbeit. Er trat im September 2009 zurück, was nicht besonders lange zurückliegt. Und trotzdem wirkt es, als sei Althaus schon ewig weg.

Horst Köhler war der Mann der Union und der Liberalen im Präsidentenamt. Was ihn so unvermittelt zum Abgang trieb, ist immer noch nicht geklärt. Wirklich nur das Beleidigtsein über die üblichen Empörten wegen seines Afghanistan-Interviews? Oder berechtigter Ärger über den verdachtsweise ausgeübten Druck aus dem Kanzleramt für seine Unterschrift unter die Griechen-Milliardenhilfe?

Richard von Weizsäcker und Eberhard Diepgen formten aus der Berliner CDU ein Gebilde, das sie „moderne Großstadtpartei“ nannten. Es gibt dieses Gebilde noch, auch, wenn das mancher nicht glauben mag und der Berliner Wähler das Gefühl schon länger kennt, sich auf dem Wahlzettel nur noch zwischen vielen linken Gruppen entscheiden zu dürfen. Die Berliner CDU ist in einigen Stadtteilen nur noch als exotische Sektentruppe wahrnehmbar.

Ronald Pofalla versucht als Umweltminister gerade, die Grünen zu überholen, indem er rot-grüne Atompolitik betreibt. Äh…, nein, nicht Pofalla, sondern Pofalls Klon Norbert Röttgen.

Ole von Beust versuchte, zwecks Schaffung eines Machtbündnisses einen alten sozialistischen Wunsch in der Schulpolitik durchzusetzen, der hauptsächlich in einer Formalie besteht, nämlich einer zehnjährigen Einheitsschule. So offen hat noch kein Politiker seiner Kernklientel den Krieg erklärt. Würde das einer auf der Linken versuchen, wäre er schnellstens weg vom Fenster. Dass auch die Bürgerlichen auf so etwas allergisch reagieren, hat von Beust offenbar überrascht und frustriert. Dass er jetzt zurückgetreten ist, ist kein Schaden. Ein CDU-Politiker, der SPD-Politik betreibt, darf sich nicht wundern, dass er für überflüssig gehalten wird.

Vielleicht ist das alles in Wahrheit ganz gut so. Es könnte die Katharsis der bürgerlichen und freiheitsliebenden Kräfte schüren.

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] This post was mentioned on Twitter by bitterlemmer, René Worlitzer. René Worlitzer said: @bitterlemmer Sogen.Sozialdemokratisierung d.#CDU war Reaktion auf sozialen Kahlschlag v.#SPD #Grüne unter #Schröder http://bit.ly/a9geE5 […]

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.