Hoffen wir mal, dass die Diskussion über die Panama-Papers nicht in den üblichen parteipolitischen Kategegorien versumpft. Das wäre sehr schade, denn die Erkenntnisse aus dieser total irren Enthüllung könnten revolutionär sein. Nur ein paar Dinge, die beim ersten Überlesen auffallen:

Schon wieder Luxemburg!

Das kleine Großherzogtum war ja erst kürzlich sehr unangenehm aufgefallen, als sich herausstellte, dass es legale Steuersparmöglichkeiten für internationale Konzerne ermöglichte. Da zahlten (zahlen?) so arme Schlucker wie Amazon oder Ebay nur zwei, drei Prozent Steuer für ihre europäischen Gewinne. Dieses Mal sind es luxemburgische Banken, von denen es in etlichen Panama-Dokumenten heißt, sie sorgten für reibungslosen Geldfluss zu und von den Trusts. Mal wieder Luxemburg! Ob Merkel sich an Steinbrücks Kavallerie erinnert und Juncker mal den Marsch bläst?

Seit an Seit: Staatsmänner und Ganoven

Keine besondere große Überraschung: Es sind vor allem die Herrscher von korrupten Drecksregimen, die ihr (sorry: unser!) Geld in Panamaischen Trusts verstecken. Richtig, unser Geld, also das Geld derer, die Schreiben vom Finanzamt bekommen, die eindeutig unverschämter sind als dieser Blogbeitrag. Und die wütend zuschauen, wie unsere Bundesregierung es eben exakt diesen Gansterregimen zuschiebt, als Entwicklungs- oder sonstwelche „Hilfe“. Wie wir sehen: Wohl eher als persönliche Sicherheit für die Oberstaatsgangster dieser Länder, die eines genau wissen: Jedem Gangster kann es mal an den Kragen gehen, und da kann es nie schaden, ein paar Schätze auf der hohen Kante zu haben.

Wer sich am meisten über die Panama-Papiere freut

Ganz klare Sache – die Bürger Londons. Unter den reichen Staatsgangstern muss Immobilienbesitz in Englands Hauptstadt eine richtige Obsession sein. Alle paar Seiten liest man von Grundbesitz vor allem in den feineren Gegenden Londons. Es sind diese Mistkerle, die mit dem ergaunerten Geld von Leuten wie mir und Dir dafür sorgen, dass London für Normal-Londoner nicht mehr bezahlbar ist. Wenn die Trusts jetzt auffliegen (werden sie doch, oder?), dann dürfte die Nachfrage erheblich zurückgehen. Man wird jubeln in London (okay, die Immobilienhaie werden vielleicht ersaufen, aber das freut einen ja irgendwie auch).

Wen die Panama-Papiere von der Bühne fegen werden

Ganz klare Sache – Islands Premierminister hat wohl ausgedient. Schon saublöd, sich in einer funktionierenden Demokratie als Staatschef auf derart dubiose Finanzgeschäfte einzulassen und sich erwischen zu lassen. Der Mann (und wohl ein Viertel seines Kabinetts) sind hiermit Vergangenheit.

Wem die Panama-Papiere egal sind

Putin und seine Satrapen, die Potentaten arabischer Ölscheichtümer, Staatsgangster wie Herr Alijew und Konsorten – denen dürfte es herzlich egal sein, was die Süddeutsche Zeitung über sie schreibt. Denen dürfte es auch egal sein, wenn SZ-Reporter dafür den Pulitzer-Preis bekommen. Die sorgen einfach dafür, dass das in ihren Ländern niemand erfährt. Und bei den regelmäßigen Schulterkopfertreffen bei UNO, OPEC und was noch so alles an noblen Konferenzen mit gutem Essen (und vermutlich auch unterhaltsamen inoffiziellen Programmpunkten) ansteht – da dürften sie von Merkel & Co. nicht sehr zu beeindrucken sein. Es sind einfach zu viele, weil Merkel & Co. Ihnen einfach zu viel Geld rüberwachsen lassen.

Die coolste Konsequenz aus den Panama-Papieren wäre vermutlich: Geldhahn für immer zudrehen. Aber so coole Politiker müssen wohl erst noch geboren werden.

Was über die Panama-Papiere vergessen wird

Unsere Steuern sind viel zu hoch. Wir brauchen eine grundsätzlich Debatte über die Frage, was des Staates ist und was nicht und was er für sein Geld zu leisten hat. Stattdessen nur Anspruchsdenken allerorten. Wer meint, der Staat schulde ihm was, fordert wie der Teufel (subventionierte Industrien, Lobbyverbände, Sozialbranche, etc.). Der Staat fordert ebenfalls wie der Teufel, aber nur von denen, die sich nicht wehren können, nicht wehren wollen oder die so wenige sind, dass jegliche Wehrhaftigkeit lächerlich wirkte (Arbeitnehmer, Selbständige, Freiberufler). Und deren Umsätze natürlich nicht reichen, um sie nach Panama zu bringen.

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