Jedes Jahr gibt es ja alle möglichen Auszeichnungen für besonders tolle und besonders dämliche Leistungen des Jahres. Wenn die berufenen Sprachaufseher im Dezember den Preis für den bescheuertsten Anglizismus des Jahres vergeben, sollten sie prüfen, ob er an die Plattenfirma Emi vergeben werden sollte. Die ließ ihre PR-Heinis der Hamburger „medienAgentur“ eine Meldung mit dieser Überschrift verbrechen:

„Yoko Ono und Emi Music kollaborieren mit Youtube um John Lennon mit einer weltweiten Hommage zu seinem 70. Geburtstag zu ehren“

Der Depp, der das geschrieben hat, ist einerseits ein halblegasthenischer Vollhorst, andererseits ein eitler Affe. Für halblegasthenische Vollhorstigkeit kann er ja vielleicht nichts. Seit Sarrazin wissen wir ja, dass so etwas erblich ist.  Höchstens kann die Emi etwas dafür, dass sie eine Überschrift abnimmt, der an entscheidender Stelle das Komma fehlt und deren erweiterter Infinitiv mit zu denkbar plump herbeistolpert.

Die Affigkeit, das deutsche Wort zusammenarbeiten, von mir aus vielleicht kooperieren, mit dem wortestwörtlich aus dem Englischen übernommenen kollaborieren zu ersetzen, ist allerdings unverzeihlich. Dieses eitle Fatzken-Gehabe hat mich so aufgeregt, dass ich mich auf den Inhalt der Meldung kaum noch konzentrieren konnte, in der es immerhin um so etwas weltbewegendes geht wie die „weltweite Veröffentlichung von acht remasterten John Lennon Studioalben“. Ein Satz, mit dem der Autor dokumentiert, dass er das Wort abmischen nicht kennt. Auch der Gebrauch zusammengesetzter Substantive ist ihm nicht geläufig. In deutscher Sprache schreibt man John-Lennon-Studioalben. Durchgekoppelt, mit Bindestrichen.

Sodann, lesen wir weiter, höhnisch in uns hineinlachend, „haben Yoko Ono und EMI Music mit YouTube kollaboriert um eine spannende globale Hommage zu Ehren der Musik-Legende anlässlich seines 70. Geburtstages (9. Oktober) zu lancieren“. Zu lancieren! Warum nicht blanchieren? Oder gleich balbieren? Und warum wird man für so etwas nicht tranchiert? Und spätestens jetzt wissen wir auch: Das fehlende Komma in der Überschrift war kein Versehen, es ist absichtlich ab-rasiert. Und das Geschlechter-Verhältnis zwischen die Musik-Legende und seines 70. Geburtstags ist leider nicht ausbalanciert.

Die Meldung ist dann noch erschöpfende weitere sechs Absätze lang, die von vorne bis hinten genauso bescheuert sind und deren „Yoodles“, „Spotlights“, „Video Testimonials“,“ Doodle“, „ikonisch“,“ Katalog-Kampagne“, „Home Recordings“ ich Euch erspare.

Sonst kollabiert hier noch jemand.

2 Kommentare
  1. Ingolf Keil sagte:

    Die EEEEmi muss schon fast kolabieren, sonst müssten die nicht so viel kollaborieren und
    könnten sich auch mal wieder unbekannteren Künstlern zu wenden. Aber da haben die ja keine Eier mehr dafür, die müssen immer wieder an den alten Sachen rum lutschen.
    Liebe EMI, wenn ihr auch hier landet, dann steckt doch euer Geld mal zur Abwechslung in unser deutsche Nachwuchskinder. Gebt dem Nachwuchs wieder mal eine Chance. http://www.norman-keil.de
    viele Grüsse Herr Lemmer sehr hart geschrieben, aber das liebe ich ja an ihnen.
    Ingolf Keil ps. meinem Schwager gehts jetzt besser.vielen Dank für ihre Mühe.

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