Da treffen sich CSU-Parlamentarier in Kreuth, um die Probleme der Menschen zu diskutieren, weil es ja der Job von Politikern ist, anderer Leuts Probleme zu lösen, und dann tritt da der Meinungsforscher Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen auf und sagt doch glatt folgenden Satz: „Die Leute sind nicht in der Lage, irgendein Problem zu benennen.“ Es muss ein rechter Horror sein, der die versammelten Politiker daraufhin erfasste. Kein Problem, dass sich anpacken ließe, keine Sorge, die auszuräumen wäre – einfach nichts. Lauter zufriedene Menschen da draußen, denen man offenbar nichts Gutes mehr tun kann.

Und es sind natürlich nicht nur die CSU-Abgeordneten, die sich mit diesem Problem konfrontiert sehen, das der Zunft offensichtlich Existenzsorgen bereitet. Die Kollegin Cidgrem Toprak hat das in einem hübschen Text auf den Punkt gebracht, in dem sie Manuela Schwesigs 32-Stunden-Woche mit der realen 50-Stunden-Woche türkischer Arbeitnehmer vergleicht oder die ausufernde Debatte über die Sicherheitszone in Hamburg mit den Toten im Istanbuler Gezi-Park. Als Überschrift wählte sie:

Die Deutschen haben keine Probleme. Das ist ihr Problem.

Damit freilich liegt sie nicht ganz richtig, denn die Deutschen insgesamt haben ja offenbar kein Problem damit, dass sie kein Problem haben, sondern wohl eher nur ihre Politiker.

Die reden von früh bis spät von Krise und davon, dass die Zeiten gerade besonders schwierig seien. Das sind sie für Politiker natürlich immer. Ich habe noch nie einen Politiker sagen hören, dass die Zeiten gerade besonders einfach und problemlos wären, denn damit würde sich der Politiker selber für überflüssig erklären.

So gesehen sind Zeiten mit wenigen Problem aber vielleicht besonders gefährlich. Sie zwingen Politiker dazu, ständig neue Probleme zu erfinden und sie den Menschen, die von diesen neuen Problemen noch nicht mal ahnten, dass sie existieren könnten, einzureden, dass sie mit schweren Problemen konfrontiert seien. Das ist deshalb gefährlich, weil es bevormundend ist. Von Politikern frei erfundene Probleme wollen ja ernst genommen und gelöst sein. Also müssen Gesetze her, die so tun, als gäbe es ein Problem und als würden sie dieses Problem lösen. Menschen, denen es gerade eben noch gut ging und die den Meinungsforschern sagten, sie seien nicht in der Lage, irgendein Problem zu benennen, werden dahingehend erzogen, sich mangels eigener Probleme die verordneten Probleme der Politiker zu eigen zu machen.

Somit nehmen uns die Politiker nicht nur immer mehr Freiheiten ab und verprassen immer mehr Steuergeld für immer unnützeren Quatsch, sondern vermiesen uns auch noch vorsätzlich die gute Laune.

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