Warum ist Karl Theodor zu Guttenberg in den Umfragen so beliebt? Weil er nicht so denkt und redet wie ein typischer Politiker. Das hat er schon beim Thema Wehrpflicht gezeigt. Und jetzt zeigt er es beim Unfugthema Berlin-Bonn. Das will er nämlich offenbar endlich beenden.

Laut ftd will Guttenberg dem Vorschlag einer Kommission folgen, die von Arbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise geleitet wurde. Sie kam offenbar zu dem – naheliegenden – Ergebnis, dass das Hin- und Hergefliege und die Unterbringung der Ministerien in zwei maximal weit entfernten Städten nicht besonders effektiv sei. Im November will Guttenberg das Thema auf die Tagesordnung bringen.

Die integrationsunwillige politische Parallelwelt bringt sich schon in Stellung, um das zu verhindern. “Da wäre eine so hohe Anschubfinanzierung notwendig, dass es mehr Mittel bindet, als es bringt”, sagte der SPD-“Wehrexperte” Rainer Arnold dem Kölner Stadtanzeiger. Aus der Düsseldorfer Staatskanzler schrillt es: “Wir gehen natürlich davon aus, dass das Bonn-Berlin-Gesetz eingehalten wird”. Und der Bonner Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber (SPD) tönt: “Auch Herr Guttenberg muss sich an Recht und Gesetz halten”. Und stellt die unbewiesene (und wohl auch unbeweisbare) Behauptung auf: “Jedes Jahr Nichtumzugs spart 250 Millionen Euro.” Vermutlich meinen diese Leute das, was integrierte Deutsche als Umzugskosten bezeichnen würden.

Ursache des doppelten Hauptstadt-Unsinns ist die rücksichtslose Arbeit der Bonn/NRW-Lobby. Sie setzte durch, dass Bonn im Hauptstadtgesetz 1994 als zweiter Regierungssitz festgeschrieben wurde. Seitdem freuen sich vor allem Fluggesellschaften und Transportunternehmen über regelmäßige Umsätze mit den Steuergeldverschwendern. Allein die Reisekosten belaufen sich jedes Jahr auf mehr als zehn Millionen Euro. Nicht jede Reise erweist sich dabei als sinnvoll. Es soll schon vorgekommen sein, dass Referenten für Termine nach Berlin einflogen, deren Tagesordnung sich aufgrund aktueller Entwicklungen kurzfristig veränderte. In normaler Umgebung würden die einfach zurück in ihr Arbeitszimmer gehen und weitermachen. In der Parallelwelt unserer Politiker ist der Arbeitstag damit erledigt, weil Reisetag.

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