Erst vor ein paar Tagen galten Prepper noch als rechtsextrem. Sie horteten nicht nur Essbares, um für den Tag X vorbereitet zu sein, sondern auch Waffen, enthüllten Medien. Sie wappneten sich für den Bürgerkrieg gegen Migranten und Muslime. Sie vernetzten sich übers Internet. Sie trainierten wehrsportartig den Ernstfall. Der Grüne Konstantin von Notz forderte schärfere Überwachung der Prepper-Szene. Aber seit dem 29. Februar 2020 würde das heißen: Verfassungsschützer in die Supermärkte. Denn der 29. Februar 2020 ist der Tag, an dem Deutschland Prepper wurde.

„Wir hatten heute Umsätze wie sonst nur vor den Weihnachtstagen“, sagt mir eine Verkäuferin in einem Lidl-Supermarkt. Im Edeka, nicht weit entfernt, schleppt ein kräftiger Mitarbeiter palettenweise Dosen mit eingelegten Früchten heran. „Die Leute sind verrückt geworden“, sagt er, „aber für uns ist es gut. Der beste Umsatz bisher in diesem Jahr.“

Am Brotstand sagt eine Frau, ein Verwandter habe Geburtstag, sie habe eigentlich einen Kuchen backen wollen. „Aber es gab kein Mehl mehr. Können Sie sich das vorstellen? Kein Mehl mehr in einem Supermarkt!“ Das gab es in Deutschland vermutlich zuletzt in der DDR und in Oberbayern, wo ich mich jetzt befinde, zuletzt kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Und eben jetzt, wo die Corona-Panik grassiert.

Auch ich beginne, mich zu fürchten. Das erste Mal übrigens, das ein politisch-gesellschaftliches Thema mich ernsthaft besorgt, ich verspotte die deutsche Angst sonst immer. Und auch diesmal fürchte ich nicht das eigentliche Sujet, sondern den deutschen Umgang damit. Nicht die Corona-Viren finde ich erschreckend, sondern die Reaktion der deutschen Medien, der deutschen Regierung und folgend des deutschen Volkes.

Corona ist beileibe keine neue Pest oder so etwas wie Ebola. Sie könnte zwar tödlicher sein als die Grippe, aber sie ist viel weniger gefährlich als Vogelgrippe. Corona ist ansteckender als die Grippe, aber viel weniger ansteckend als die Masern. Gehören eigentlich Masern-Impfgegner jetzt auch zu den neuen deutschen Preppern? Corona könnte auch schon längst überall angekommen sein.

Die meisten Infizierten haben keine oder nur leichte Symptome. Den meisten tut das Virus offenbar nichts oder nicht viel. Wer das genauer wissen will, sollte diesen Schweizer Artikel lesen. Er besagt im Ergebnis, dass Du und ich wahrscheinlich bald das Corona-Virus haben werden, dass wir aber voraussichtlich nicht besonders krank werden oder gar nicht.

Insofern klingt es verrückt, wenn die Politik überall Quarantänen ausruft und glaubt, sie könne die Ausbreitung von Corona noch verhindern. Denn das kann sie offenbar schon lange nicht mehr. Aber gut, es ist der Staat mit dieser Groko und dieser Kanzlerin. Sie werden wohl – wie üblich – bis zum letzten Atemzug an ihrer Vision der Eindämmung festhalten und erst dann auf Symptombehandlung umschalten, wenn die in der Realität längst stattfindet. Das Land und das Volk werden nicht dank, sondern trotz der Groko überleben.

Und trotz der Medien, die das Preppertum ansatzlos aus der Naziecke heraus- und in die Serviceecke hineinmanövrieren. Was gestern noch den Verfassungsschutz beschäftigen sollte, ist heute urplötzlich vorbildlich? Es verschlägt einem den Atem, mit welchem Tempo Medien eine irrationale Marotte für vernünftig erklären, die gleichwohl eine verrückte Marotte bleibt. Wie bedenkenlos Medien schlimmeren Mist schreiben als jedes unkuratierte wilde „Internet“.

Sie verdrehen dafür eine Empfehlung des Bundesamtes für Zivilschutz geradewegs in ihr Gegenteil. Die nämlich hat mit Corona absolut nichts zu tun, sondern eher schon mit den Folgen eines großen Stromausfalls. Ein Blackout hätte – anders als Corona – wirklich katastrophale Folgen. Das hat vor etlichen Jahren der Bundestag untersuchen lassen. Die entsprechende Studie kann jeder nachlesen. Nach wenigen Tagen wäre die Zivilisation zerbrochen. Dass die Groko gleichwohl zugleich Kohle und Kernkraft abschaffen will, kann man von daher nur als bekloppten Wahnsinn bewerten, aber das ist ein anderes Thema.

Wirklich angsteinflößend ist aber, wie viele Menschen solchem Unfug gehorchen. Wie leicht sich der Deutsche manipulieren und einschüchtern lässt. Wer wegen medialen und politischen Blödsinns die Supermärkte stürmt, der macht auch anderen Blödsinn, wenn man ihm das befiehlt. Wo sind Verstand und Zivilcourage hin? Zivilcourage wäre, sich über hyperventilierende Medien und Behörden zu amüsieren und weiterzumachen wie immer.

Warum verhalten sich Politiker und Chefredakteure so verantwortungslos? Diese Hochwohlgeborenen, die glauben, sie müssten den von ihnen als dumm angesehenen Normales korrektes Verhalten vorschreiben? Ausgerechnet die, die in anderen Kontexten reden, sie hätten sich zurückzuhalten, weil sie sonst das Volk beunruhigen würden? Etwa, wenn es darum geht, die Herkunft von Straftätern zu benennen? Die aber jetzt hemmungslos Panik schüren.

Wahrscheinlich ist das nur Feigheit. Wenn die Meute losrennt, dann will man unbedingt dabei sein. Wenn alle Panik schreien, dann schreit man halt ebenfalls Panik. Denn wenn alle Panik schreien, dann wird ja wohl was dransein. Dann wird auch nicht mehr nachgedacht. Dann wird einfach nur noch funktioniert. So ist es immer wieder, und so ist es auch hier. Deutsche sind gern verhaltenskonform. Je höher gestellt sie sind, desto konformer wollen wie in der Masse aufgehen.

Und das ist verstörend. Hier hat die Meute das Nazi-Thema Prepperei zum Thema der vermeintlichen Vorsorge gemacht. Wenn das mit der Prepperei so funktioniert, dann funktioniert es auch mit anderen Themen. Dann ist das ganze „Nie wieder“-Gerede nichts wert.

Dann zeigt schon das bisschen Corona, wie dünn die gern zitierte Fassade der Zivilisation ist. Dann mag man sich nicht vorstellen, was los ist, wenn es mal wirklich ernst wird.

2 Kommentare
  1. Anonymus sagte:

    Ich muss zu diesem Artikel eine Sache sagen:
    – Preppern war niemals ausschließlich ein NAZI-Thema. Punkt.

    Wenn die Medien denEindruck erwecken, dass nur Nazis sich auf eine etwaige Katastrophe vorbereiten, dann ist das irrationale Ideologie. Es gibt Prepper, die zugleich Nazis sind, das ist korrekt, es gibt aber auch Staatsbeamte mit eher zweifelhaften Demokratieverständnis. Die sind eher ein Problem.

    Insofern ist da schon ein Unterschied.

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  2. Tom Jericho sagte:

    Prepper = Nazi? Das war immer schon ein derartiger Blödsinn, daß das nur sehr simpel gestrickte Leute, also hauptsächlich Linke ernst genommen haben. Was sind denn eigentlich „Nazis“? Kommt auf die Definition an: Bis ca. 2000 rum war klar, daß mit Nazis National-Sozialisten gemeint waren bzw. solche, die den National-Sozialismus wiedererrichten wollen, und von denen gab und gibt es in Deutschland irgendwo zwischen ein paar hundert und wenigen tausend, auf die Gesamtbevölkerung betrachtet also weniger als 0,1%. Ein Gutteil davon eingeschleuste V-Leute. Die einzelnen Grüppchen oftmals spinnefeind. Absolut vernachlässigbar.

    Ab 2000, als Nazi immer mehr zum Synonym für Klimaleugner, Genderverweigerer und seit ca. 2015 generell für Nicht-Superlinke, d.h. in der Regel liberale, naturwissenschaftlich orientierte Cis-Heteros wurde, schon eher.

    Verstörend am Verhalten der Leute finde ich eigentlich gar nichts: So ist das eben, wenn die Realität den FFF-Ponyhof heimsucht – und man auf einmal feststellt, daß die Rundum-Vollkasko-Mentalität in einem Szenario, wo ein paar Vorräte sinnvoller sind als Toiletten für’s wasweisichwievielte Geschlecht eigentlich immer mehr ein Schönwetterscheiß war, den man sich halt geleistet hat, weil’s sowieso egal war.

    Da wird dann auch schon mal überreagiert, kommt vor. Aber das neue Normalnull wird sich hoffentlich wieder eher an tatsächlichen Problemen und der Vorbereitung darauf einpendeln als an herbeifantasierten, egal ob jetzt der Hitzetod im nächsten Jahr oder die lauernden Nazihorden sind. Das allerdings wäre auch das berufliche Ende der meisten Politiker und Medienschaffenden hierzulande.

    So gesehen eine Win-Win-Situation! Go, Corona!

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