Die Stadt Rosenheim warnt ihre Einwohner davor, Leitungswasser zu verwenden, ohne es vorher “mindestens 5 Minuten lang sprudelnd kochen zu lassen“. Es sei eine “mikrobiologische Verunreinigung” festgestellt worden. Der Grund für die Verkeimung wird nur arg verklausuliert genannt. Schuld sei das “Unwetterereignis vom vergangenen Sonntag”. Freilich: Auch über Rosenheim regnet es keine Keime, sondern nur blitzsauberes Regenwasser. Die Keime stammen vielmehr von den Feldern um die Stadt, und zwar vor allem denen der Biobauern. Das, was im Frühjahr und Frühsommer die Luft in praktisch ganz Oberbayern verpestete, spülte der Regen ins Grundwasser und damit in die Wasserleitungen der Rosenheimer.

Die Kollegen in Berlin staunten ein bisschen, als sie davon hörten, denn sie meinten, während der EHEC-Affäre gehört zu haben, dass in der deutschen Landwirtschaft keine Gülle auf den Feldern lande. Im Prinzip war das auch schon mal so. Aber in Zeiten des ökologischen Landbaus gelten andere Regeln. Solche, die schon im 19. Jahrhundert galten, bevor Fortschritt und Hygiene für satte Versorgung und stabile Gesundheit sorgten. Im gesellschaftlichen Kontext gilt das als schick, seit die Grünen ihren reaktionären Ökologismus wie eine Droge unters Volk brachten. Derselbe Nerv, der den modernen Spießer alles biologische toll finden lässt, lässt ihn etwa die einst selbstverständliche Masern-Impfung für sein Kind verweigern. Lieber die Krankheit als die Chemie, mit der Folge, dass die Krankheit, die als ausgestorben galt, plötzlich wieder grassiert.

Wer lebt wie im 19. Jahrhundert darf sich nicht wundern, dass er auch die Krankheiten des 19. Jahrhunderts zurückbekommt. Oder sein Wasser abkochen, wie im 19. Jahrhundert.

Quelle: hier

2 Kommentare
  1. Peter sagte:

    Besser recherchieren Herr Bittlerlemmer:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gülle
    Den komplett zu lesen lohnt sich, dabei kann man einiges über Landwirtschaft lernen, nicht nur über die ökologische.
    Gülle fällt in erster Linie in Schweine- und Rindermastbetrieben an, die eher selten ökologisch arbeiten. 200 Millionen Tonnen Gülle pro Jahr nur in Deutschland kann man nicht einfach wegwerfen, man muss irgendwas damit machen:
    “Die traditionelle und übliche Gülle-Verwertungsweise ist die Ausbringung als wirtschaftseigener Dünger auf Äckern und Grünland mit einem Güllefass, das die Gülle auf der Oberfläche verteilt oder direkt in den Boden einimpft.” Das galt im 19. Jahrhundert und gilt im 21. auch noch. Man kann sie aber auch an der Börse handeln, sie ist ein ganz normales Wirtschaftsgut.
    Im Zusammenhang mit EHEC war von Gemüsebauern die Rede – die dürfen keine Gülle verwenden und tun das hoffentlich auch nicht.

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  2. janina sagte:

    wir sprachen auch nicht über BIObauern. der kollege hat den wunsch geäußert, dass sich bauern (generell) an die regeln halten, um eben so eine verunreinigung zu vermeiden. thats all.

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