Ich musste den Satz zwei Mal lesen, um zu glauben, dass er wirklich da steht. „Erstmals wird das Fahrrad nun Teil des öffentlichen Nahverkehrs“, zitiert die Welt am Sonntag unseren Verkehrsminister Peter Ramsauer. Wenn das keine Nachricht ist! Da dachte ich immer, meine Fahrten mit dem Fahrrad zur Schule, zu Freunden und überhaupt zu allem möglichen seien Teil des, um es mit diesem bürokratischen Schwätzerwort zu sagen, öffentlichen Nahverkehrs. Oder auch später all meine Fahrrad-Fahrten von Hause zur Uni, zur Arbeit und zu was weiß ich. Allerdings nicht bei jedem Wetter, das gebe ich zu, aber jetzt, wo das Fahrrad erstmals Teil des öffentlichen Nahverkehrs ist, wird das Wetter sicher immer schön sein, oder die Leute regenfester als wir Weicheier früher.

Ich las den Artikel dann weiter, und da stand dann, er – und zwar wirklich: ER, der Herr Ramsauer höchstpersönlich! – werde jetzt die „öffentlichen Fahrradverleihsysteme“ ausbauen und fördern. Mit „vielen“ Modellprojekten, die noch dieses Frühjahr starten sollen, wo sich dann Leute ein Fahrrad ausleihen können, was die vielen kleinen Fahrradläden, die es jedenfalls in Kreuzberg und Rosenheim gibt, den zwei Orten, an denen ich mich am meisten aufhalte, vermutlich wahnsinnig freuen wird, nachdem sie den Markt für den Herrn Ramsauer schon mal vorbereitet haben und er jetzt die Steuern nimmt, die die vielen kleinen Fahrradläden bezahlt haben und sie damit plattmacht, jedenfalls ihr Verleihgeschäft.

Da Herr Ramsauer offenbar gerade verzeifelt grüne Themen sucht – hier wäre noch eine Idee: Öffnen Sie, gern als Modellversuch, Schuhverleihstationen und machen Sie damit erstmals den Fußweg zum Teil des öffentlichen Nahverkehrs.

6 Kommentare
  1. Heiko Morgenthaler sagte:

    Es ist schon bezeichnend wie Herr Ramsauer uns Radfahrer als Kampfradler bezeichnet und auf der anderen Seite durch Fahrradverleih noch mehr solche
    „Kampfmaschinen“ auf die Strasse bringen will. Das ist mal wieder Populismus
    in Perfektion.
    Dabei geht es wohl viel mehr darum von eigenen Problemen
    oder besser Verbrechen abzulenken und den Fokus des Volkes weg von den mit
    Steuergeldern finanzierten Lustreisen auf Schiffen zu lenken. Es gilt einfach solche
    Gauner in Zukunft bei Wahlen abzustrafen, damit wir wieder eine „saubere“ Politik
    in unserem Land bekommen

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    • bitterlemmer sagte:

      Stimmt, das dachte ich auch, als ich sah, wie Ramsauer ein paar Tage später auf Radfahrer losging. Der Populismus-Vorwurf ist mir da übrigens zu kurz gegriffen. Der Verkehrsminister ist hier widersprüchlich. Heute so, morgen anders.

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