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Ich halt dann mal die Kresse

EZB-Chef Jean-Claude Trichet spricht heute von der „schlimmsten Krise seit dem zweiten Weltkrieg“. Liegen etwa Städte in Schutt und Asche? Ziehen feindliche Truppen durchs Land? Der Mann sollte die Kirche im Dorf lassen und bedenken, dass er mit seinem Gequatsche ebenso zur Krise beiträgt wie mit seinem Kuschen vor den Regierungen. Die von ihm geleitete Euro-Währungsbank hat sich endgültig zum Dealer der regierungsamtlichen Schuldenjunkies degradieren lassen. Trichet hat die Unabhängigkeit der EZB aufgegeben.

Noch ist die Krise nicht lebensgefährlich. Noch geht es nur um weniger Wohlstand, das freilich mit Gewissheit. Die ersten Ökonomen empfehlen gezielte Inflation, um von den Staatsschulden herunter zu kommen. Das ist unterm Strich dasselbe wie eine Steuererhöhung. Auch die Wirkung ist dieselbe. Bürger und Unternehmen werden mit weniger Geld auskommen müssen. Sie sind es, die jetzt die Zeche für jahrzehntelange Schuldenpolitik zu zahlen haben.

Deutschland könnte es besonders heftig treffen. Heute wurde dummerweise auch noch bekannt, dass die Exportindustrie schon seit Juni weniger Aufträge verbucht. Das angeblich besonders stabile hiesige Wachstum hätte sich damit erledigt. Hinzu kommen die Resultate der verbohrten Energiepolitik, die ja bisher nur in Mini-Portionen angekommen sind. Vor allem Strom wird dramatisch teurer werden. Schlechter konnte das Timing für den Atomausstieg nicht sein.

„Wir sehen eine Vielstimmigkeit der Politik, das führt nicht zur Beruhigung der Finanzmärkte“, sagte heute der Chef der Aareal-Bank, die zwar ihren Gewinn kräftig steigerte, deren Börsenkurs aber trotzdem heute einbrach. Zu dieser Vielstimmigkeit gehört das Blabla von Herrn Trichet ebenso wie das Geplapper und Getue europäischer und deutscher Politiker. Dazu gehört auch die hemmungslose Selbstbedienung mit fremdem Geld. Beispiel: Während absehbar wird, dass die Bürger mit weniger Geld auskommen werden, winken die deutschen Landesparlamente gerade die neue Kopfsteuer für ihre staatlichen Sender ARD und ZDF durch und verschaffen ihnen damit zusätzliche Milliardenbeträge.

Die einzige gute Nachricht: Die Politik wird spüren, dass sie jegliche Legitimation verspielt hat. In der Krise liegt die Chance, evidenten Unsinn endlich abzustellen. Teure Wahlversprechen dürften fürs Erste aus der Mode kommen.

Siehe: hier.

2 Kommentare
  1. Christian Weilmeier sagte:

    100 Prozent d’accord! Die Geschichte der EZB ist ein Trauerspiel, was die Herren dort reitet kann man nicht mehr verstehen. Vielleicht ist es die Ratlosigkeit die zum Faseln verleitet. Die Politik fürchtet sich davor den Leuten zu sagen, was sie angerichtet hat. Und so ein bisschen Inflation hat noch keinem geschadet wird zum neuen Mantra.

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  2. dieta sagte:

    .Der fruhere SPD-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement findet im Magazin Cicero scharfe Worte fur die Politik der Bundesregierung und fordert das Steuer herumzureiBen.. Dass wir bei einer Lebenserwartung von nahezu 80 Jahren die nachste Generation wird sich den 90 nahern ! eine langere Lebensarbeitszeit brauchen als unsere Vorgangergeneration die im Durchschnitt eben die 65 erreichte musste jedem einleuchten. Auf Sicht fahren! Aber was tut die Berliner Politik?

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