Bundespräsident Christian Wulff, Ehefrau Bettina

So begann schon das Ende der Amtszeit von Horst Köhler. Er vermisse den „Respekt vor dem Amt“. Den fordert jetzt auch Christian Wulff, nachdem er seit seinem Amtsantritt einiges unternahm, ihn zu verlieren. Fehlenden Respekt warf Wulffs Sprecher der Grünen Renate Künast vor, die eine Rede zur Integrationspolitik anmahnte. Diese Forderung ist derart blödsinnig, dass Wulff sie einfach hätte ignorieren können. Und statt mitteilen zu lassen, er werde sowieso zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober eine Integrationsrede halten, hätte er einfach den 3. Oktober ins Land ziehen lassen und die Rede halten können. Es sind ja nur noch ein paar Wochen bis dahin.

Nach nur knapp drei Monaten im Amt ist Wulff im Grunde rücktrittsreif. Die Debatte dazu wird auch kommen, und zwar spätestens dann, wenn ihn der Korruptionssumpf seiner niedersächsischen Amtsführung in Berlin einholen wird. Das wird sich auch dadurch nicht mehr verhindern lassen, dass jetzt höhere Stellen der niedersächsischen Polizei in der Angelegenheit ermitteln und nicht mehr die eigentlich zuständige Braunschweiger Polizei, wie die FAS schreibt. Es geht darum, dass Wulffs CDU sich die Wolfsburger Stadtwerke als öffentlich finanzierte Wahlkampfzentrale unter den Nagel gerissen haben soll, die von ihr bezahlte Mitarbeiter für Parteiaufträge freistellten.

Aber auch mit seiner Amtsführung hat sich Wulff schon jetzt disqualifiziert.

  • Einmischung in die Debatte um die Love-Parade-Verantwortung. Wulff forderte verklausuliert, aber unmissverständlich den Rücktritt des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland. Der geht ihn aber nichts an. Der Bundespräsident ist kein Neben-Regierungschef, der bis in die Niederungen zu bestimmen hat.
  • Ferien in der Amigo-Villa. Hannover ist offenbar ein spezielles Pflaster. Es mag ja sein, dass der Gründer einer Drückerkolonne reich werden kann, aber wohl nur in Hannover wird ein Mann wie Carsten Maschmeyer auch zum geachteten Mitglied der feinen Gesellschaft, hofiert von Gerhard Schröder wie von Christian Wulff. Und wer bitte würde glauben, Maschmeyer würde seine riesige Villa auf Mallorca auch für Kreti und Pleti öffnen, Leute also, die ihm geschäftlich wie gesellschaftlich nicht nützlich sein können?
  • Einmischung in die Causa Sarrazin. Es war nicht die Bundesbank, die die Ausstiegsvereinbarung mit Thilo Sarrazin aus dem Vorstand verhandelte, sondern das Präsidialamt. Schon vorher hatte sich Wulff zur Partei gemacht, als er wie im Fall Sauerland in verfloskelten, aber eindeutigen Worten den Rücktritt verlangte. Nebenbei hat der Bundespräsident damit den letzten Schein der Unabhängigkeit der Bundesbank verpflügt.
  • Seine Anbiederung an populäre Bullshit-Kultur. Dafür steht das Treffen mit Sänger Bono von U2, das in schlimmster PR-Verdrehung als Gedankenaustausch über Afrika bezeichnet wurde. Bono ist kein Sprecher Afrikas, sondern missbraucht den Kontinent zur Imagepflege. Seine Rezepte sind ökonomisch schädlich, wie afrikanische Wirtschaftswissenschaftler wie Dambisa Moyo verzweifelt mitzuteilen versuchen, allerdings dank solcher Leute wie Bono keine Chance haben, in Deutschlands Medien oder von den Wulffs und Niebels dieser Welt gehört zu werden.
  • Sein Surfen auf modischen Trends. Ob Lena, ob Fußball-WM, ob irgendein belangloser Satz hier oder ein Bussy-Foto mit seiner schicken Ehe-Trophäe dort – vielleicht wäre es mal eine Überlegung wert, ob die Paris-Hilton-Methode wirklich eine taugliche Aktionsvorlage für das deutsche Staatsoberhaupt ist.
  • Sein gestörtes Verhältnis zu Meinungs- und Pressefreiheit. Wulff sagte bei der Eröffnung der neuen dpa-Zentrale in Berlin: „Wir brauchen Kontroversen, Konflikte, Kritik. Aber keine Verletzungen, Verspottung, Verachtung. Wir brauchen Medien, die zuspitzen. Aber nicht, um damit jemanden zu erstechen.“ Mit Verlaub: Was wir noch weniger brauchen, ist ein Staatsoberhaupt, das vorschreibt, was Medien zu tun oder zu lassen haben oder die zulässige Dosis an Kritik mit einer „ISO-Norm für Journalismus“ verordnet. Offenbar war das kein Ausrutscher. Die von Wulff ernannte niedersächsische Landesministerin Aygül Özkan hatte bekanntlich einen ähnlichen Vorstoß unternommen. Hier wäre zu fragen, ob sie von allein auf diese Schnapsidee kam oder ob Wulff ihr dazu riet.

Es ist nicht Renate Künast, die das Bundespräsidentenamt beschädigt, sondern es ist der Amtsinhaber, der das besorgt. Wulff erträgt offenbar keinen Tag ohne irgendeinen Presse- oder Fernsehauftritt – und redet sich mit jeder Wortspende tiefer in den Sumpf. Das merkt auch der Bürger. Wulff kommt laut einer Stern-Umfrage auf nur 44 Prozent Zustimmung. Köhler hatte nach drei Monaten 60 Prozent.

Gibt es eigentlich einen Mechanismus, die Bundesversammlung auch zur Abwahl des Bundespräsidenten einzuberufen?

12 Kommentare
  1. christoph bruessel sagte:

    DU haust mal wieder schön rein. Aber so richtig durchdacht ist das diesmal nicht. Ich jedenfalls bin froh, dass wir einen Präsidenten haben, der auch lebt, Gefühle zeigt und sich auch nicht nur abgehoben einmischt. Zum Thema Sarrazin war ein Wort der beiden Spitzen der deutschen Politik alleine aus Sicherheitsgründen notwendig, denn es gibt klare Erkenntnisse, dass es im Ausland ANsätze zu “ Racheakten“ gab. Die Worte zum Journalismus kann ich nur unterstützen. Du haust ja kräftig auf den Putz, aber Du machst es am richtige Ort und häufig mit Qualität. Was aber in den letzten Monaten eskaliert sind die hirnlosen, ideologischen, parteiischen und dumpfen Parolen, als scheinbare Nachrichten. Da sollte mal eine ernste Diskussion mit Selbstheilungseffekt angesetzt werden. Nur wer soll es denn anstoßen ? Ich finde es muss was passieren – und das ist eine der Aufgaben !!

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  2. bitterlemmer sagte:

    Ehrlich gesagt: Mich schaudert es ja schon vor seiner Ansprache am 3. Oktober über das, was er immer „bunte Republik Deutschland“ nennt (wieder so ein Ernst-weg-Gefühl-rein-Begriff, mit dem er wohl weniger die Welt besser machen will als sein Image). Und wenn ich an den 3. Oktober denke, dann bedauere ich noch mal so richtig, dass es nicht Gauck ist, der an diesem Tag spricht.

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  3. stizzo sagte:

    Wulffi sollte meiner Meinung nach nicht zurücktreten, aber zumindest diesen kritischen Beitrag lesen – sehr interessante Ausführungen ;-) Den Ausdruck „Ehe-Trophäe“ finde ich allerdings nicht passend!
    Was mir nicht ganz klar ist: haben Wulff bzw. die oben erwähnte niedersächsische Ministerin wirklich ein ISO-Siegel für Journalisten angeregt!?

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  4. Andreas sagte:

    schon wieder zurücktreten? Was kostet das denn schon wieder unseren Steuerzahler? Er soll sich entschuldigen, evtl. den normalen Steuersatz zu den marktüblichen Zinsen an einer wohltätigen Organisation zahlen und weitermachen. Wenn wollt ihr denn also neuen Bundespräsidenten haben? Es gibt doch nichts vernünftiges mehr auf dem Markt! Sollte jemals ein Präsident, Minister oder was auch immer zurücktreten muss auf mit allen Konsequenzen auf alle Pensionen verzichten oder besser werden nicht gezahlt! Wer zurücktritt muss etwas Unrechtes getan haben und darf keine weiteren Zuwendungen erhalten. Punkt, aus und Feierabend!

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  5. Heike sagte:

    Ich möchte eine moderne Monarchie- wie sie in den anderen europäischen Ländern besteht, die -wahrscheinlich- alle deutsche Wurzeln haben. Nur hier blüht nichts mehr. Das wäre eine konstante Kraft, die uns alle beruhigen könnte. Das Haus Preußen und das Haus Hohenzollern und viele andere Adelshäuser sollten endlich wieder eine ihrer früheren Bedeutung gemäße Aufgabe erhalten. Was spricht dagegen?

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  6. Müller sagte:

    Die ganze Aufregung um Herrn Wulff ist ein Sturm im Wasserglas. Da unser Land ohnehin nicht souverän und selbstbestimmt ist, kommt unserer ganze Regierung einschließlich des Amtes des Bundespräsidenten der Rang einer Verwaltung zu und so verhalten sich auch die sogenannten Repräsentanten. Der Mann war von Anbeginn an die falsche Wahl, wobei nicht gesagt sei, daß ein Herr Gauck sein Amt besser ausgefüllt hätte. Herr Gauck ist der geborene Idealist, der zum Karate-Titel „Über sieben Brücken mußt Du gehen“ wie ein Derwisch auf der Bühne herumturnt. Wulff hat zu viele Fehler begangen als daß man ihm diesen letzten Lapsus auch noch durchgehen lassen könnte. Seine Reden und vorgetragenen Meinungen sind nicht dem deutschen Volk zugewandt und immer streng am Political Correctness ausgerichtet. Das ist dem Bürger zu wenig und zu weich gespült.

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  7. Heike sagte:

    Eine Frau als Bundespräsidentin-das wäre neu, wenn schon die alten Gewohnheiten beibehalten werden sollen. Mein Vorschlag: Iris Berben. Denn die kennt sich in der Welt aus, ist zudem beliebt und gutaussehend und nicht auf den Kopf gefallen , auch durchsetzungsfähig und glaubwürdig. Nicht geldgeil, aber philosophisch. Streng, aber herzlich. Witzig und von gutem Benehmen. Theater gespielt hat sie lange genug, jetzt kann sie es auf der Lebensbühne anwenden. Und auch die Frauenquote stiege rapide in die Höhe. Auf geht´s.

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  8. Erich Konrad sagte:

    Dieser Mann ist mittlerweile eine Schande für Deutschland. Es ist schon instinktlos, wie Frau Merkel  diesen Mann verteidigt und seine angebliche Transparenz lobt.
    Dies zeigt deutlich , welche Moralvorstellungen in der Politik vorherrschen.
    Hätte ich gewusst, dass Herr Wulff so arm ist und scheinbar so wenig verdient, hätte ich für ihn gesammelt. Dann hätte er sich nicht von den Reichen dieser Welt aushalten lassen müssen. Wofür eigentlich?
    Unser erster Mann im Staat dient als vortreffliches Vorbild für seine Untertanen. Nur weiter so. Solche Politiker braucht das Land. Man kann eigentlich nur noch  nur angewidert die stets neuen Enthüllungen zur Kennnis nehmen.

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  1. […] ja sogar Guttenberg professioneller im Vergleich dazu. Da hast du aber Recht.Seht euch mal auch das hier an. Klone im Krieg.Ich bin einer von vielen.Doch kann ich allein jeden Bann […]

  2. […] davor drückt, ist mein persönlicher siebter Grund für seinen Rücktritt. Die ersten sechs stehen hier. Facebook Posterous Twitter Xing RSS Drucken Per Mail empfehlen […]

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