Das Geheimtreffen der Finanzminister letzten Freitag taugt als Symbol. Die Euro-Regierungen sind höchst beunruhigt, weil der Kern-Widerspruch des Eurokonzepts kaum noch zu übertünchen ist: Der Euro entsprang politischen Motiven, nicht ökonomischen. Er war das Geschenk des Altbundeskanzlers Helmut Kohl an die europäische Staatengemeinschaft. Um zu verstehen, was jetzt in der Griechenland-Krise passiert, muss man darum politische und ökonomische Argumente trennen. Die Politik wird am Ende kapitulieren – weil die Sache zu teuer werden wird. Nachdem meine letzte Griechenland-Wette voll ins Schwarze ging, hier die nächste: Wetten, Griechenland führt die Drachme wieder ein?

Noch wehren sich die Politiker. Der liberale Europa-Parlamentarier Jorgo Chatzimarkakis nennt eine Rückkehr Griechenlands zur Drachme „Wahnsinn„. Neben massiven Schwierigkeiten für Griechenland wie Kapitalflucht und die absehbare Stürmung der Banken warnen die Euro-Fans auch vor Problemen für Deutschland: Der Eurokurs würde ohne Griechenland und womöglich weitere Austrittskandidaten massiv steigen, Exporte würden teurer und damit erschwert. Peter Bofinger, der von den Gewerkschaften in den Rat der Wirtschaftsweisen entsandt wurde, nennt als Hindernis gar „technische Schwierigkeiten“ wie den Druck neuer Banknoten und die Frage, ob die griechischen Staatsschulden in Euro oder Drachme gerechnet werden müssten.

Tragfähig ist keines dieser Argumente. Bofingers bange Frage, wie bitte Papier bedruckt werden könne, grenzt an Albernheit. Die Frage der Bewertung der griechischen Schulden stellt sich nicht wirklich, jedenfalls unter ökonomischen Vorzeichen: Es sind Euro, die sich Griechenland geborgt hat, also muss es Euro zurückzahlen. Es wäre ein weiterer politischer Preis, sie umzumendeln. Dass das Kapital aus Griechenland fliehen würde, klingt nur auf den ersten Blick plausibel (und wäre im übrigen eine griechische Angelegenheit und direkte Folge einer verantwortungslosen Politik), dürfte aber nicht stimmen: Eher dürften Investoren in Griechenland zugreifen, wenn die Wiedereinführung der Drachme etwa Immobilien an den Ägäis-Küsten attraktiv aussehen ließe. Die Banken allerdings hätten ein Problem, weil die Griechen schnell ihre Euros von den Konten räumen würden, bevor Drachmen daraus werden – aber auch die Banken sind an der Lage nicht unschuldig, weil sie dank konsequenten Lobbyings erreichten, dass ihre Risiken mit Hilfe des Euro-Rettungsschirms überwiegend verstaatlicht wurden.

Besonders perfide ist aber die Warnung vor einem Niedergang der deutschen Exportwirtschaft. In den letzten Wochen ist dieses Argument mehrfach entkräftet worden, etwa von Hans-Werner Sinn. Eine starke Währung hierzulande hätte nämlich neben einer möglichen Verteuerung für Exportware noch andere Wirkungen: Rohstoffe würden billiger, ebenso alle zugekauften Güter aus dem Nicht-Euro-Ausland. Deutsche Unternehmen könnten sich günstiger eindecken, für die Gesamtbevölkerung stiege die Kaufkraft, ganz besonders übrigens beim Griechenland-Urlaub. Die Euro-Fans blenden außerdem die Historie gänzlich aus: Die D-Mark war eine  klassische Starkwährung, was die deutsche Wirtschaft nicht daran gehindert hat, Exportweltmeister zu werden.

Ökonomisch gibt es keinen Grund dafür, Griechenland (und zumindest auch Portugal) im Euro zu halten. Nur die Politik hält daran fest – vermutlich, weil sie ein Scheitern der europäischen Währung und den damit verbundenen Machtverlust nicht hinnehmen will. Das wird ihr nichts nützen – denn die Macht hat sie an dieser Stelle in Wahrheit schon verloren.

4 Kommentare
  1. Mike Schneider sagte:

    Deine Ausführungen sind für mich im Grunde nachvollziehbar.
    Aber Europas Chefs werden garantiert nicht ihr Gesicht verlieren wollen!
    Rückkehr zur Drachme ist doch aberwitzig, weil fast nicht finanzierbar.
    Allein die Rückumstellung aller Dinge die dranhängen würde Milliarden vernichten.

    Die schwachen und starken Euroländer haben es sich eingebrockt – jetzt müssen sie da durch! Stcihwort Solidargemeinschaft. Dann geht halt mal einer flöten …

    Gruß

    Antworten
  2. bitterlemmer sagte:

    Warum soll eine Umstellung auf die Drachme nicht finanzierbar sein? Warum war dann die Umstellung auf den Euro finanzierbar?

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.