Die Mobilfunkfirmen beklagen wieder einmal, auf Kosten von Internetfirmen Umsätze zu verlieren. Aktuell geht es um Umsatzeinbrüche mit SMS. Das ist insofern kurios, als die Netzbetreiber offenbar vergessen haben, dass sie die kurzen 160-Zeichen-Nachrichten ursprünglich gar nicht haben wollten. Als Anfang der 90er Jahre der GSM-Standard verhandelt wurde, war es Gerätehersteller Nokia, der die SMS gegen das Votum der Netzbetreiber durchsetzte. In den USA gelang nicht einmal das, weshalb SMS dort jahrelang völlig unbekannt waren, während in Europa schon Millionen von Handy zu Handy geschickt wurden.

Nachdem der GSM-Standard dann beschlossen war, ahnten die Unternehmen noch nicht, was ihnen die Hartnäckigkeit von Nokia an Geschäft bescheren sollte. Als die ersten Digitalnetze in Betrieb gingen (in Deutschland D1 von der Telekom und D2, damals Mannesmann Mobilfunk) wusste praktisch niemand, dass man mit den meisten Geräten Kurznachrichten verschicken konnte. Man kannte SMS nur als Systemnachricht, die die Betreiber gelegentlich an ihre Kunden sandten. Erst nach und nach sprach sich herum, dass Textmeldungen auch von Gerät zu Gerät möglich waren. Das war überdies kostenlos. Die Betreiber hatten das Thema schlicht nicht auf dem Schirm.

Nur zwei Dinge zählen: Preis und Signalqualität

Erst, als kostenlose SMS die Umsätze kostenpflichtiger Telefonate bedrohten, änderte sich das, dann aber gründlich. Ein paar lächerliche Kilobit Datenmenge kosteten plötzlich so viel wie ein Standardbrief der Post. Die SMS dürfte eines der margenstärksten Produkte der weltweiten Wirtschaftsgeschichte gewesen sein. Auf manche Manager wirkte das wie eine Droge. Vorübergehend träumten die Zentralen der Netzbetreiber davon, zu mächtigen Content-Providern aufzusteigen. Es wurmte sie, ein vergleichsweise unglamouröses Geschäft zu betreiben, bei dem es in erster Linie nur um die technische drahtlose Datenübertragung geht. In Märkten wie Deutschland kam ihnen zudem der lahme Wettbewerb entgegen. Bis heute kassieren die Mobilfirmen hier deutlich mehr als etwa in Österreich, wo es z.B. bei Telekom Austria eine europaweite Flatrate zu Preisen gibt, zu denen man hierzulande nicht einmal den Nachbarn anrufen kann. Allerdings zeigte sich, dass die Kundschaft sich nicht grenzenlos ausnehmen ließ. Das Produkt MMS flopt bis heute grandios, weil niemand versteht, warum er horrendes Geld zahlen soll, um jemandem ein mies aufgelöstes Mini-Bildchen aufs Display zu schicken.

Mit dem Aufkommen der Smartphones hat sich dieses Kapitel endgültig erledigt. Die Intelligenz der neuen Geräte entlarvt die Trivialität der Produktideen, die die Netzbetreiber jahrelang als große Leistung verkaufen konnten. Egal, was sie in ihre bunten Prospekte schreiben – es geht nur um die drahtlose Übertragung von Bits und Bytes. Alles andere ist bunte Verpackung. Das scheint in einingen Führungsetagen angekommen zu sein. Neuerdings werben Mobilfirmen manchmal mit der Qualität ihrer Netze. Und um nichts anderes geht es auch: Übertragungsqualität und Preis.

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