Ralf Wohlleben, wegen Beihilfe im NSU-Prozess mit Beate Zschäpe auf der Anklagebank, hat an manchen Prozesstagen seine Ehefrau als Angeklagtenbeistand bei sich. Am Dienstag war sie wieder da. Angereist aus der Thüringer Heimat war sie wohl nicht allein. Jedenfalls verschwand sie nach der Verhandlung mit drei Herrschaften, von denen zwei den Tag über den Prozess im Zuschauerbereich verfolgten: Der Neonazi Marco Z. aus Gotha und der ehemalige NPD-Funktionär Steffen R. aus Saalfeld. Ja mei, mag man sagen, sollense halt, aber vielleicht muss man nicht gleich mit einem großen Schriftzug auf der Jacke einmarschieren, der “Ansgar Aryan” lautet. Dass das bei der Einlasskontrolle keinen Ärger gab wundert schon (da hatten andere schon für weniger Provokantes Probleme).

Steffen Richter mit "Ansgar Aryan"-Schriftzug auf der Jacke, rechts daneben Marco Zimt, ganz rechte der ebenfalls Mitangeklagte André E.

Steffen R. mit “Ansgar Aryan”-Schriftzug auf der Jacke (2.v.l.), rechts daneben Marco Z., ganz rechts der im NSU-Prozess mitangeklagte André E.

 

“Ansgar Aryan” ist ein – nunja – Modelabel und Versandhaus, das laut Impressum von dem Neonazi Patrick Schröder im beschaulichen Örtchen Mantel bei Weiden in der Oberpfalz betrieben wird. Der Name ist natürlich Programm, wie unschwer zu erkennen. “Aryan” ist die englische Schreibweise für arisch.

Erstaunlich ist, dass R. und Z. vor dem Gerichtsgebäude unwirsch reagierten, als ich sie fotografierte. Sie sind es eigentlich gewöhnt, fotografiert zu werden. Manchmal stellen sie sich etwa als Redner auf irgendwelche Bühnen und schwingen dann öffentlich Reden. Sie sind also – nunja – so etwas wie Politiker, die dann und wann die Öffentlichkeit suchen. Herr R. aber schritt direkt auf mich zu und fragte: “Schon mal was vom Recht aufs eigene Bild gehört?” Herr Z. drückte sich nicht ganz so verbal aus und zeigte mir den Stinkefinger, was den Vorteil hat, dass ich das Bild nicht extra verpixeln muss. Die Herren scheinen momentan lieber die Rolle von Privatiers zu spielen als die von Politikern.

Nach der Verhandlung gingen sie zusammen mit Wohllebens Ehefrau die Sandstraße bis zur Kreittmayrstr. hoch, wo wenig später der Blaulicht-Konvoi mit Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben Richtung Stadelheim abfuhr. An der Ecke winkten sie den beiden zum Abschied zu. Ob Zschäpe und Wohlleben zurückwinkten war hinter den dunkel getönten Scheiben nicht zu erkennen.

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