Störmanöver – so nennt unser aller Online-Leidmedium Spiegel Online den Plan des griechischen Premiers, das Volk zu befragen, ob das Land die massiven Einschnitte akzeptieren will, die mit der Schuldenhilfe der andere Euro-Länder verbunden sind. Wie kann er nur! Das Volk, das blöde. Und dann ausgerechnet auch noch in Griechenland, wo Demokratie nur für Altgeschichtler. Wo der heutige Staat zwischen den Papandreous und Karamanlis‘ aufgeteilt ist, die sich hinter den Tarnnamen Pasok und Nea Demokratia (ausgerechnet!) verstecken. Und der aktuelle Papandreou will jetzt das Volk fragen! Spinnt der Mann?

Muss wohl. Wir haben keine Eurokrise, wir haben eine Demokratiekrise. Die selbst ernannten Vernünftigen fordern „Durchregieren“. Machtverschiebung auf anonyme Gouverneursräte in Brüssel und Luxemburg. Vom Mars entsandte Regierungskommissare. Die Unterordnung aller Lebensbereiche unter staatliches Diktat. Politiker hetzen wahlweise gegen Banker, Rating-Agenturen oder Steuersparfüchse, die exakt das tun, das dieselben Politiker in Gesetze geschrieben haben. Als hätten sie Banken- und Steuergesetze als Falle konstruiert, in die sie die kommenden Sündenböcke hineinlocken, um sie bei Bedarf an den Pranger willfähriger Medienschaffender zu stellen. Eine deutsche sogenannte Opposition, die zu allem ja sagt, was die Regierung gerade an Unglaublichkeit beschließen lässt und als einzige Unterscheidung geltend macht, dass ihr das alles noch nicht weit genug geht.

Und die embeddeten Medien, die von der Politik nur in der Bundespressekonferenz embeddete Reporter berichten lassen, ganz so, wie die USA nur embeddete Reporter aus dem Irak-Krieg berichten ließ, spielt brav mit. Demokratie als Störmanöver – Headline eines Medienunternehmens, das Tage vorher seinen Titel für den durchschaubaren PR-Coup der Herren Schmidt und Steinbrück stiftete und in dem Herr Schmidt den chinesischen Weg lobte. Und niemand schrie auf. Stattdessen schleimiges Nachgequatsche in den Talkshows der staatlichen Fernsehsender mit eingeblendeten Claqueuren, die die schlimmsten Passagen besonders eifrig beklatschten.

Griechenland riskiert seine Mitgliedschaft im Euro-Raum (damit ist die Währung gemeint, nicht die EU), zitiert SPON den finnischen Finanzminister. Als sei das schlimm. Na und? Das wird doch eh passieren, ganz gleich, was diese Leute reden und schreiben. Wer behält denn gerade recht? Die politisch-medial irrelevante Mehrheit, die schon vor über einem Jahr nicht mehr glaubte, Griechenland werde seine Schulden zurückzahlen können, oder die Klasse derer, die das vehement bestritt und heute um den heißen Brei redet und die griechische Staatspleite hinter der frei erfundenen Wertschöpfung Resolvenz versteckt?

Foto: linz_ellinas via flickr

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