Ja, ja. Herr Ponader stimmt jedes Talkshow-Wort mit der Basis ab.

Norbert Röttgen? Abgehakt. Gut für die CDU. Ranschmeiße an Grüne und die SPD gescheitert. Stammwähler streiken jetzt. FDP? Zu früh totgesagt, wie immer. SPD? Langweilig, wie immer. Freuen sich über ein Thirtysomething-Resultat, als hätten sie ein Stoiber-Ergebnis geholt. Wen vergessen? Ach ja, die Piraten. Haben es geschafft. Ihre Wähler wanderten zumeist von SPD und Grünen rüber. Die Wahlbeteiligung war mehr oder weniger dieselbe wie immer. Bisher heißt es immer, es seien Parteienverdrossene, die Piraten wählten. Das scheint in NRW nicht so gewesen zu sein.

Vielleicht liegt es an den öffentlichen Auftritten der Piraten. Programme soll man ja nicht überschätzen. Aber die Gallionsfiguren, die sind wichtig. Das war bisher Marina Weisband, die immer empört guckte, wenn jemand von der „schönen Piratin“ schrieb. Jetzt erfreuen wir uns an den Auftritten des Herrn Ponader. Erklärt uns taatsächlich, er spiele während seiner Fernsehauftritte nur deshalb ständig mit seinem iPhone, weil er sich via Twitter mit seiner Basis abstimme. Offenbar hat ihm dann auch die Basis erlaubt, für Schleswig-Holstein eine piratische Unterstützung für Rot-Grün-Dänisch zuzusagen. So etwas gäbe es noch nicht einmal in einer der Altparteien, dass ein Bundesfritze den Landesfritzen vorschreibt, was sie mit wem im Landtag zu tun haben.

In den Altparteien würde auch der geistige Durchfall für Stirnrunzeln sorgen, den sich die Piraten gerade bei ihrer Nahost-Debatte erlauben. Sie sind ja oft genug dafür kritisiert worden, dass sie irgendwie zu nichts eine Meinung haben. Aber offenbar haben sie schon längst Meinungen, die sie nur für sich behalten haben, was übrigens nicht besonders transparent ist. Jennifer Nathalie Pyka hat u.a. diese Debattenbeiträge aus den digitalen Piratenlabors geschöpft:

„ich denke mal, es wäre ein guter Anreiz für Israel, sich der IAEO zu unterwerfen, wenn man im Ablehnungsfall dem Staat Palestina zumindest leihweise ein paar Atombomben überläßt.“

„Von mir aus sollen die Israelis jedes Rassisten Regime des Planeten bewaffen so wie die S-A Apartheid’ler. Um den Palästinensern einen Nuklearschild zu verschaffen könnte man auch den Rubel rollen lassen und ein paar Atom-Böller aus Moskau einschiffen via Gaza-Stadt. Dazu müßte man mit den Israelis ja gar nicht unbedingt verhandeln.“

„Die israelisch/jüdische Friedensbewegung ist weltweit sehr aktiv, wird aber in den Medien hier meist totgeschwiegen.Alfred Grosser und Daniel Barenboim sind die einzigen kritischen
Stimmen, die man hier in der BRD hört.“

Schon faszinierend: Fragt man Promi-Piraten nach Nahost, schweigen sie und behaupten, dazu gebe es noch keine Meinung. Aber dann rollt eine Debatte an, die ungewöhnlich meinungsstark ist – und ungewöhnlich dämlich. Zu fordern, dass Israel dem Iran seine Atomwaffen gleich direkt zu Verfügung stellen soll (wäre die direkte Folge von Dämlich-Zitat Nummer 1), ist schlicht wahnsinnig. Zitat Nummer 2 darf als Gaga pur gewertet werden. Zitat Nummer 3 betrifft wohl weniger die Nahost-Politik (auch, wenn die Piraten angebliche Beschränkungen der deutschen Meinungsfreiheit unter der Thematik Nahost behandeln), sondern bedient viel mehr den Wunsch, sich in der Debatte als Opfer zu stilisieren.

Meinung ohne Ahnung ist halt blöd. In Totenschädeln fehlt das Hirn.

1 Antwort
  1. Silversurfer sagte:

    Hatten wir schon mal hier im Blog – siehe Schwarmblödheit der Piraten – war damals schon richtig bitter

    Antworten

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