Heute ist wieder einmal Akkreditierungstag beim Oberlandesgericht München. Es geht um den Prozess gegen Ufuk C., einen jungen Mann mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit, der für die islamistische Al-Nusra-Front in Syrien war. Für Journalisten sind 20 Plätze im Zuschauerbereich vorgesehen. Das sind natürlich viel zu wenige. Das Münchner OLG hat darum wieder ein Wettrennen unter den Medien ausgeschrieben – und schafft es wiederum nicht, eindeutig und widerspruchsfrei zu formulieren, wie man es auf einen der knappen Plätze schafft.

In der sogenannten Sicherungsverfügung des Gerichts ist davon die Rede, man habe sich “per E-Mail” unter einer namentlich und nur für diesen Zweck eingerichteten E-Mail-Adresse anzumelden.

“Auf anderen Wegen eingehende Akkreditierungsgesuche können nicht berücksichtigt werden und werden auch nicht weitergeleitet”,

heißt es dort außerdem. Klingt eindeutig? Ist es aber nicht.

Im Text der E-Mail, an der die Sicherungsverfügung verschickt wurde, steht nämlich etwas anderes. Demnach sei die Akkreditierung “ausschließlich per E-Mail mittels Formblatt” möglich. Das Formblatt sei allein “über den eingerichteten Formularserver des OLG München erhältlich” und müsse auch online ausgefüllt werden. Hinzugefügt ist ein Link zum Formblatt, außerdem der Hinweis, dass mit dem Abschicken des Formulars automatisch eine E-Mail generiert und an die Akkreditierungsadresse des Gerichts geschickt werde.

Gültig ist jetzt nicht der Text der Sicherungsverfügung, sondern die E-Mail der Pressestelle. Das weiß der kundige Journalist, weil er dieses Verfahren schon ein paar Mal mitgemacht hat und vorsichtshalber jeweils vorher telefonisch bei der Pressestelle anfragt. Das Verfahren hat, jedenfalls nutzerseitig, mit E-Mails absolut nichts zu tun. Das Gericht setzt hier zwei völlig unterschiedliche Verfahren – Akkreditierung auf einem Webformular und Akkreditierung per E-Mail – wohl  einfach deshalb gleich, weil das Formular am Ende eine E-Mail generiert. Für die Nutzung sind die internen technischen Prozesse des Gerichts aber irrelevant. Ob das Formular die Daten in eine Datenbank schickt oder in eine E-Mail ist egal. Das Verfahren ist jedenfalls ein anderes.

Hinzu kommt eine echte Ärgerlichkeit. Beim letzten Mal antwortete der Formularserver erstmal zwei Minuten lang nicht, als der Startschuss für das Verfahren begann. Stattdessen spuckte mein Browser eine Fehlermeldung aus, laut der der Server nicht erreichbar sei. Das ist deshalb ärgerlich, weil die Anträge in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet werden. Es ging dabei um das Verfahren gegen den früheren Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer. Heute verschickte das Gericht die Liste der Medien, die schnell genug waren. Auf den Restplätzen habe ich auch meinen Sitz im Saal ergattert (dank minutenlanger ständiger Sendeversuche), trotz der technischen Panne, die die Pressestelle übrigens glatt bestreitet.

Möglicherweise war es auch keine Panne, sondern einfach zu wenige Ports, um alle um Punkt 12 eintreffenden Anfragen an den Server zu verarbeiten. Dass jedenfalls die öffentlich-rechtlichen Medien – wie üblich – bestens versorgt sind, hat mich nicht erstaunt. Vielleicht sitzen beim Bayerischen Rundfunk ja hauptamtliche Menschen, die nichts anderes zu tun zu haben, als erstmal ordentlich Traffic zu produzieren, um nur ja auf dem üblichen Treppchen zu landen.  Mal sehen, wie das Rennen beim Ufuk-K.-Prozess ausgeht.

PS. Heute ging alles glatt Der Server hat meinen Antrag diesmal beim ersten Anlauf verdaut. Warten wir auf den weißen Rauch, der nach gängiger Erfahrung im Verlauf einer guten Woche am Stiglmayerplatz aufsteigen wird.

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