Unvoreingenommene Aktivisten

Nach Günter Grass hat Israel jetzt schon wieder kritische Menschen an der Einreise gehindert. Es handelt sich um Leute, die allgemein als pro-palästinensische Aktivisten bezeichnet werden. Grass erinnert derartiges Verhalten bekanntlich an die DDR. Dem liegt allerdings ein historisches Missverständnis zugrunde. Dass die DDR Leute nicht hineinließ, kam nur in Einzelfällen vor. Im Regelfall ließ die DDR keine Menschen hinaus. Die Schussrichtung des Mauerstreifens zeigte nach drinnen, um also Menschen daran zu hindern, in Massen zu flüchten. In Israel ist das genau umgekehrt. Jeder Israeli darf reisen, wann und wohin er will. Nur der Zugang ist beschränkt, nicht nur für Grass und andere europäische Aktivisten, sondern auch für Waffenschieber und Mörder. Die DDR behauptete nur, sie benötige einen „antifaschistischen Schutzwall“, während Israel seinen antiterroristischen Schutzwall nach blutigen Erfahrungen errichtete. Die DDR baute ihre Mauer gegen die eigene Bevölkerung, Israel seinen Grenzzaun zum Palästinenser-Gebiet nach lauten Forderungen der Bevölkerung. Solche Feinheiten stören die Aktivisten nicht. Sie legen ohnehin nicht viel Wert auf argumentative Stringenz. Einerseits geben sie vor, sie wollten sich „ein Bild machen“ von der Lage im Westjordanland, gleichzeitig formulieren sie als Ziel ihrer Reise, die Welt auf Missstände aufmerksam zu machen. Die fehlende Logik zwischen diesen beiden Aussagen ist genauso evident wie die Blindheit für den entscheidenden Unterschied – nämlich den zwischen Demokratie und Diktatur.

1 Antwort
  1. Deckart sagte:

    Stimmt genau. Außerdem liegt Israel auf dem 32. nördlichen Breitengrad, die DDR lag auf dem 52. Daher ist der Verweis auf das ähnlich gelagerte Einreiseverbot schon allein aus geographischen Gründen ein historisches Missverständnis! Da spielt es auch keine Rolle, dass der Umgang mit der eigenen Bevölkerung  nicht das Thema des Vergleichs war. *Gähn*

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