Der Börsenindex Dax ist heute abgestürzt. Der Hauptgrund dafür ist ziemlich einfach zu verstehen. Er liegt darin, dass die Banken zu viele Staatsanleihen halten. Die galten bisher als sicher, jetzt nicht mehr.

Warum haben die Banken so viele Staatsschuldscheine?

Wiederum einfach: Weil die Staaten den Banken erlaubten (und weiter erlauben), Kredite an Staaten ohne Eigenkapital zu vergeben. Anders ausgedrückt: Wenn eine Bank an einen Privatmann oder einen Firma Geld verleiht, muss sie einen gewissen Anteil dieses Darlehens aus eigener Kraft aufbringen und darf sich einen Rest dazuborgen, z.B. von der Währungsbank. Wenn sie dagegen einem Staat Geld leiht, dann muss sie selber nichts dazu beisteuern, sondern kann dieses Darlehen komplett fremdfinanzieren.

Wie haben die Staaten dieses Sonderrecht für Kredite an Staaten begründet?

Wieder einfach: Die Regierungen haben gesagt, dass Staaten hundertprozentig solvente Schuldner sind und Staatsschuldscheine darum hundertprozentig sichere Anlagen. Weil also angeblich kein Risiko besteht, könne man auf den Eigenkapitalanteil der Banken verzichten.

Was sind die Folgen?

  1. Die Banken vergaben wie verrückt Kredite an Staaten. Die waren ein extrem gutes Geschäft, weil sie dafür kein Eigenkapital zurücklegen mussten.
  2. Jetzt folgt die Rache: Staatliche Schuldscheine gelten plötzlich nicht mehr als hundertprozentig sicher. Nicht nur, weil die Rating-Agenturen das sagen, sondern deshalb, weil zurecht allerorten bezweifelt wird, dass sie ihre Schulden je zurückzahlen können. Bei Griechenland und Portugal glaubt das sogar kein Mensch mehr, bei Italien auch nicht mehr viele. Ehrlich gesagt kenne ich auch niemanden, der derzeit darauf wetten würde, dass die verschuldete Hauptstadt Berlin oder womöglich der Bund seine Miesen je wird abtragen können und/oder wollen.
  3. Damit werden die vielen Staatspapiere in den Bankbilanzen plötzlich Killer. Die Summen sind zu hoch, als das die Banken sie abschreiben können. Plötzlich sind die Staatspapiere nur noch gewöhnliche Kredite, nur ohne jegliche Absicherung. So etwas mögen Anleger gar nicht. Darum verkaufen sie Bankaktien, darum fallen die Kurse.

Und nun?

Jetzt droht als direkte Folge ein Einbruch der Konjunktur.

Wieso das?

Weil kein Geld mehr übrig ist. Die Banken können nicht mehr viel verleihen, denn sie haben sich über die Grenzen ihrer Möglichkeiten verausgabt. Die Staaten haben das verfügbare Geld selber ausgegeben. Für Wirtschaft und Konsum ist kaum noch etwas übrig. Diesen Prozess nennt man Crowding Out. Bisher wurde er dadurch überspielt, dass die Notenbanken ständig neue Euros, Dollar und Yen herausbrachten. Aber die waren durch keinen Gegenwert gedeckt.

Und jetzt nähert sich der Tag, an dem das Spiel vorbei ist. Noch immer versuchen ein paar Desperados (Silvio Berlusconi, IWF-Chefin Christine Lagarde oder die reiche Elite Griechenlands), den Zeitpunkt des Knalls hinauszuschieben.

Ob Deutschland dabei weiter mitmacht, wird sich wohl am Mittwoch zeigen. Da entscheidet das Bundesverfassungsgericht über die Zulässigkeit des europaweiten Banken-Rettungsschirms, der das Königsrecht des Parlaments, nämlich die Budgethoheit, abschafft. Und gleichzeitig debattiert der Bundestag über die nächsten Milliarden, die zum Hinauszögern der Wahrheit verbrannt werden sollen.

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