Das vier Monate alte Baby aus Toronto heißt Storm Stocker. Ein geschlechtsneutraler Name, der offenlĂ€sst, ob Storm ein Junge oder ein MĂ€dchen ist. Genauer gesagt ist es ein Geheimnis der engsten Familie, welches Geschlecht Storm besitzt. Es sind nur wenige Menschen, die es kennen: Die beiden Hebammen, die es zur Welt brachten, natĂŒrlich die Eltern David Stocker und Kathy Witherick und Storms große BrĂŒder Jazz (5) und Kio (2). Der Rest der Welt, einschließlich der Großeltern, bekam eine E-Mail, in der es heißt: “Wir haben uns entschlossen, Storms Geschlecht nicht mitzuteilen, als Beitrag zu Freiheit und Vielfalt in einer Welt voller BeschrĂ€nkungen”.

Dass Storms Großeltern verstĂ€ndnislos darauf reagierten, ĂŒberraschte die Eltern, wie auch die heftige Ablehnung, die Hunderte Leser des als links-liberal bekannten Toronto Star in Briefen und Mails Ă€ußerten. “Das ist ein perfektes Beispiel dafĂŒr, dass es niemandem erlaubt werden sollte, ohne Lizenz ein Kind zu bekommen”, schrieb einer.

Vater David Stocker verteidigt sich so: “Dass die ganze Welt wissen muss, was sich zwischen den Beinen dieses Babys befindet, ist ungesund, unsicher und voyeuristisch. Wir wissen es, und wir halten es sauber, sicher und privat”. Auch Jazz und Kio, die beiden großen Geschwister, gehören zum Kreis der Eingeschworenen, was in diesem Fall offenbar kein Problem ist, weil ein anderes Problem die beiden von Gleichaltrigen isoliert.

FĂŒnfjĂ€hriger liebt das WĂ€schewaschen mit seinem Papa

Jazz trĂ€gt seine Haare zu Zöpfen geflochten. Sein Ohr ist mit einem rosafarbenen Piercing verziert. Seine Kleidung ist ebenfalls bevorzugt rosa, oft mit glitzernden Applikationen, schreiben kanadische und britische Zeitungen. Auf dem Spielplatz sollen ihn andere Kinder meiden. Zwei MĂ€dchen hĂ€tten sich geweigert, mit ihm zu spielen und ihn als “MĂ€dchen-Junge” gehĂ€nselt. Der kleine Kio ist Ă€hnlich frisiert und habe, sagen die Eltern, eine Vorliebe fĂŒr Leggins.

Leichte Verwirrung spricht auch aus dem Lieblingsbuch Jazz’. Es heißt “10.000 Dresses” und handelt von einem Jungen, der stĂ€ndig seine Kleider wechselt. Auf einer Geburtstagskarte schrieb der FĂŒnfjĂ€hrige laut Aussage der Eltern an den Vater, er liebe es, zusammen mit ihm WĂ€sche zu waschen. Nicht nur die literarische Vorliebe dĂŒrfte er vom Vater haben,  der ein Werk mit dem Titel “A Fabulous Child’s Story” als augenöffnende LektĂŒre beschreibt. Hauptperson ist ein Kind, das ohne Geschlecht (Gender) aufwĂ€chst. Es spielt gleichermaßen Fußball und flechtet Körbe. Es ignoriert allen Spott und verblĂŒfft die skeptischen Experten mit seiner Sicherheit und Ausgeglichenheit.

Offenbar ist Baby Storm so etwas wie die ProjektionsflĂ€che der Eltern fĂŒr diesen Traum. Spricht Mutter Kathy ĂŒber das Kleine, verwendet sie ein Promonen, das sie “Sie” ausspricht (bei den Angelsachsen “Zee” geschrieben). In Schriftform sieht das so aus: “S”HE, also ein typographisch leicht missglĂŒckter Zwitter aus He und She. Um das Bild zu runden: NatĂŒrlich verbrachte die Familie ihren letzten Urlaub in Kuba und studierte dort die Wunder der Marxistischen Revolution, wie die britische Daily Mail lĂ€stert.

“Erziehung zum Freak”

Mag man das sektenhafte Treiben der Eltern belĂ€cheln – die Folgen fĂŒr die Kinder sind weniger lustig. “Wer ein Kind weder als Junge noch als MĂ€dchen aufzieht, zieht in vieler Hinsicht einen Freak auf”, sagt der Kinderpsychologe Eugene Beresin aus Masachussettes. Sein Kollege Harold Koplevicz meint: “Kinder sind keine unbeschriebenen BlĂ€tter, wenn sie zur Welt kommen. Wir haben mĂ€nnliche und weibliche Gehirne. Es gibt GrĂŒnde, warum Jungen rauer und wilder spielen und MĂ€dchen schneller Sprachfertigkeiten entwickeln”.

Besonders gefĂ€hrdet sieht Koplevicz Storms große BrĂŒder. Dass sie dazu vergattert sind, als Komplizen der Eltern das Geheimnis ĂŒber Storms Geschlecht zu wahren, werde bei Ihnen schwere SchamgefĂŒhle auslösen. Das sei der “schlimmste Teil der Geschichte”.

Der Wahn der Gender-Selbstbestimmung, von Feministinnen und diversen emanzipatorischen Schwulen- und Lesbenbewegungen bis heute beklatscht, galt den Fanatikern lange Zeit als Vorzeigeprojekt. Eines ihrer AushĂ€ngeschilder war der inzwischen verstorbene frĂŒhere Chef der psychologischen Klinik am John-Hopkins-Hospital in Baltimore, John Money. Er ist der Erfinder des Begriffs Gender Mainstreaming, der heute zum GedankengerĂŒst auch der Unionsparteien gehört, gepflegt vor allem von Ursula von der Leyen.

Das tödliche Zwillingsexperiment der Gender-Mainstreamer

Money versuchte sich in den sechziger und siebziger Jahren an einem Zwillingsexperiment, um seine These vom Gender-freien Neugeborenen zu beweisen. Er ließ den Zwilling David Reimer kastrieren, bei dem vorher eine Beschneidung schiefgegangen war. Seine Eltern kleideten ihn als MĂ€dchen, Ă€nderten seinen Namen und ließen ihn mit Puppen statt mit Autos spielen. WĂ€hrend Money in wissenschaftlichen Publikationen als Held gefeiert wurde, rebellierte der umgewandelte David, bis die Eltern dem dann Pubertierenden die Wahrheit ĂŒber seine Geschichte verrieten. David kappte den Kontakt zu seinem Peiniger Money und versuchte so gut wie möglich, als Mann weiterzuleben. Dann brachte sich zuerst sein Zwillingsbruder um, der offenbar von schweren SchuldgefĂŒhlen geplagt war, wenig spĂ€ter vergiftete sich auch David Reimer.

Es sollte dann noch einmal fast zehn Jahre dauern, bis Moneys Fans, etwa Alice Schwarzer, sich in das Unausweichliche fĂŒgten und ihre alten Positionen rĂ€umten. Schwarzer hatte Money gelobt, er sei einer der wenigen Gender-Forscher, der nicht manipulativ arbeite. Das sagt sie erst seit kurzem nicht mehr.

Aber eine gesellschaftliche Abrechnung mit den von Money inspirierten Irrwegen gibt es bis heute nicht. Im Gegenteil – Fanatiker, wie die Eltern des kleinen Storm (vermutlich handelt es sich um einen Jungen, mit MĂ€dchen gehen die Gender-Mainstreamer schonender um), orientieren sich daran. Vielleicht glauben sie, das Beste fĂŒr ihre Kinder zu tun. TatsĂ€chlich misshandeln sie sie.

17 Kommentare
  1. Lola Rennt sagte:

    meine gĂŒte! warum fĂ€llt den leuten sowas ein? keiner kann bestimmen, was normal oder nicht normal ist. aber in jedem fall ist es extremst unnatĂŒrlich! die armen kinder! so unfrei aufwachsen zu mĂŒssen!

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  2. Anne Wand sagte:

    Die Natur kann keiner bescheißen, diese Psychos die dort produziert werden, kĂŒmmern sich bei Zeiten um ihrer “Erzeuer” …….

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  3. Natalie sagte:

    Wenn der Vater ein Buch darĂŒber schreibt, dann ist das ganze nichts anderes als ein Reklame-Gag –
    der Vater hofft wohl, davon reich zu werden.
    Das arme Kinde !

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    • Michael sagte:

      ich sags jetzt ungern aber Storm war bei Marvel eine Frau (X-Men in der Verfilmung gespielt von Haley Barrey)

      Nichtsdestotrotz, die Eltern sind nicht ganz dicht!.

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  4. Peter sagte:

    Dieser Fall sollte, auch fĂŒr die trĂ€gen JugendĂ€mter, so klar wie Quellwasser sein:

    Nehmt denen sofort die Kinder weg und sperrt die Eltern lange Zeit weg!

    Den Kindern wird ihr gesamtes Leben zerstört – sie werden niemals ein normales Leben fĂŒhren und die Handlung der Eltern fĂ€llt meiner Meinung nach sogar schon unter Mord! Wie bei einer Vergewaltigung…

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  5. sofias. sagte:

    die einen versuchen ein kind sich möglichst frei entfalten zu lassen (in wiefern ihnen das gelingt kann ich aus der wenig aufschlussreichen beschreibung und des fehlen jeglicher links kaum abschĂ€tzen
)

    die anderen drĂŒcken ihrem kind eine geschlechtsrolle auf die ihm offensichtlich zutiefst zuwider ist.
    (das gibt es ĂŒbrigens nicht nur bei kindern die mit penis geboren wurden, im speziellen verweise ich auf intersexuelle)

    wer den zusammenhang zwischen den beiden fÀllen findet möge sich melden.

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  6. Oli sagte:

    Apropos Namen: “Baby aus Toronoto” ist ein o zu viel. Und “Massachussettes” dafĂŒr bitte nur mit 4 s.
    Iss aber auch nich so leicht.

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    • Doro sagte:

      Sondern? Besser Hamburger und Fritten essen…?

      Nee, nee, nee………
      Is wirklich nicht so leicht, offenbar………….

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  7. hemp sagte:

    Mai 2011 15 34Dass manche Eltern bis zur Geburt ihres Kindes nicht wissen wollen ob es ein Junge oder ein Madchen wird ist nicht unublich. Nur die Eltern seine beiden Geschwister – beides Jungen im Alter von zwei und funf Jahren – ein enger Freund und die zwei Hebammen die Storm zur Welt brachten wissen uber das Geschlecht des heute vier Monate alten Babys Bescheid.

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  8. Finn Findet sagte:

    Ich finde, diese Geschichte ist ein Beispiel fĂŒr einen aktiven Umgang mit den bestehenden GeschlechterverhĂ€ltnissen in unserer Gesellschaft. WĂ€ren die beiden Ă€lteren Kinder offiziell MĂ€dchen wĂŒrde sich ĂŒber das WĂ€sche waschen vermutlich keine_r aufregen. Spannend ist, ob mit solchen Artikeln, wie hier, nicht die heteronormative Weltsicht gestĂ€rkt wird?! Meiner meinung nach gibt es so viele Geschlechter wie Menschen und wenn dann so genannte Wissenschaftler_innen versuchen diese VielfĂ€ltigkeit in 2 schubladen zu stecken, finde ich das engstirnig und ehrlich gesagt auch falsch. Ich kann nicht einschĂ€tzen, wie das Leben fĂŒr Storm verlaufen wird, aber mir fallen einige Punkte in der Persönlichkeitsentwicklung ein, in denen es fĂŒr Storm leichter sein wird als fĂŒr Susi oder Paul. Schade, dass hier so rumgelĂ€stert wird, obwohl wahrscheinlich keine_r von euch mit den Eltern oder Kindern kommuniziert hat. Über Taten anderer zu reden ist ja auch leichter als selbst etwas zu tun. Meiner Meinung nach brauchen wir diese Geschlechterrollen (im Sinne von Gender) nicht! Ich leb schöner ohne sie, auch wenn ich dafĂŒr als Freak abgestempelt werde. Die, die mich abstempeln haben ein Problem, nicht ich.

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