„Die Schwäche des Euro ist das Beste, was der Wirtschaft passieren kann“, behauptet Spiegel Online. Mit Verlaub: Dieser Satz gehört zum Dümmsten, was der Publizistik passieren konnte.

Der Autor führt genau ein Argument an, um seine Behauptung zu stützen. Ein schwacher Euro verschaffe der deutschen Exportwirtschaft einen Kostenvorteil. Das stimmt auch. Leider hat der schwache Euro aber auch noch andere Wirkungen, die der Spiegel vergisst.

Die wichtigste ist der Kostennachteil beim Einkauf. Vor allem Energie wird teurer, wenn der Euro billiger wird. Der Grund ist einfach zu verstehen. Öl wird in Dollar abgerechnet. Sinkt der Euro relativ zum Dollar, wird Öl in Euro-Ländern also teurer. Dasselbe gilt für fast alle anderen Rohstoffe, ebenso für Dienstleistungen und Lizenzen.

Damit ist der schwache Euro so ziemlich das schlechteste, was sowohl der Wirtschaft als auch den Verbrauchern passieren kann. Aufgrund höherer Importpreise heizt er die Inflation an. Konkret: Wie verlieren Kaufkraft. Allerdings kommt der schwache Euro nicht überraschend. Er ist Ausdruck der schwachen Wirtschaft und vor allem der Schuldenkrise, bei der Griechenland bekanntlich die unrühmliche Vorreiterrolle spielt und demnächst als erster Euro-Staat demonstrieren wird, wie ein Staatsbankrott aussieht, nämlich wie ein schwarzes Loch für Euroscheine.

Wie dämlich der Spiegel-Autor argumentiert, zeigt auch ein Blick auf die Geschichte. Die DM war traditionell eine starke Währung, was die deutsche Wirtschaft aber nicht daran gehindert hat, zum Exportweltmeister zu werden. Auch nach der Einführung des zunächst stabilen Euro blieb das so. Der Export-Einbruch nach Ausbruch der Finanzkrise hat dagegen mit den Währungsparitäten nichts zu tun, sondern schlicht damit, dass die Nachfrage in den Märkten überall auf der Welt eingebrochen ist.

Daran hat sich bis heute auch nur wenig geändert. Vor allem die USA dümpeln weiter vor sich hin. Letztlich ist eine schwache Währung nichts anderes als der Ausdruck einer schwachen Wirtschaft. Die Verteuerung des Dollar ist darum auch nicht etwa ein Signal für einen Aufbruch in den USA, sondern nur dafür, dass der Euroraum abbaut und den USA nach unten folgt.

Die Dankesworte des Spiegel-Kommentators an Griechenland sind darum so etwas wie die Behauptung, der Krüppel Griechenland helfe gerade der lahmen Europa dabei, den blinden Onkel Sam über die Straße zu geleiten.

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