Warum die Furcht vor der Corona-Warn-App wieder mal nur typisch deutsche Angst vor Modernität ist

Wir leben in einem Land, in dem Debatten zäh wie flüssige Luft sind. Man glaubt, man müsse ersticken. Die Debatte um die Corona-Warnapp ist so eine. Ich habe sie installiert. Und ich will deutlich machen, warum ich das getan habe und warum ich die Politiker für ihre Argumentationen verachte.

I.

Die App kann Kontakte tracken. Dafür ist sie programmiert. Das ist sinnvoll. Der Unterbau stammt von Google und Apple. Beiden dieser Firmen vertraue ich mehr als der Groko. Die Bedenken wegen Datenschutz finde ich lächerlich. Es ist mir offen gestanden völlig wurscht, ob die App theoretisch irgendwelche Daten über meinen Aufenthalt o.ä. weiterreichen könnte (was sie tatsächlich aber nicht kann). Wer wollte damit etwas anfangen? Und selbst wenn eine sinistre Behörde sich brennend für jeden meiner Schritte interessieren sollte: Was wollte sie damit anfangen? Mich für irgendetwas anklagen? Sollte in einer solchen Anklageschrift dann etwa stehen, dass da illegal Daten erhoben wurden? Diese gesamte Debatte ist nur noch bescheuert. Freilich haben die relevanten Instanzen und Medien den Datenschutz über die letzten Jahrzehnte zur heiligen Kuh gepäppelt und benehmen sich jetzt genauso kindisch wie die wirren Hüter der muhenden Heiligen Kühe in Indien

II.

Ich verspreche mir von der möglichst massenhaften Nutzung der Warnapp, dass die diktatorischen Einschränkungen mit ihren massiven wirtschaftlichen und psychischen Schäden schneller beseitigt werden können. Dass die verfassungsmäßigen Grundrechte schneller wieder gelten. Darum bin ich über Geisterfahrer wie Markus Söder nur noch entsetzt. Der protzt zwar tönend, er habe sich die App sogleich auch aufs Handy geladen, sagt aber zugleich, er denke gar nicht daran, die App als Chance für das Ende seines Corona-Regimes zu sehen. Er sagt, im Gegenteil, ausdrücklich, dass er mit oder ohne App einfach weitermache wie bisher. Das ist bodenlos. Söder und Konsorten killen damit die letzte Akzeptanz der App. Warum sollte ich deren Nachteil denn sonst in Kauf nehmen? Und einen Nachteil hat sie wirklich: Sie verkürzt, wenn auch nur geringfügig, die Akkulaufzeit meines iPhones.

III.

Karl Lauterbach, einer der Corona-Taliban, twitterte heute über eine Studie, laut der Kinder sich kaum infizieren und das Virus kaum verbreiten. Das ist neu. Bisher twitterte Herr Lauterbach durchweg einseitig in die andere Richtung. Studien zitierte er eigentlich nur, wenn sie sich irgendwie regimeverschärfend auslegen ließen. Möglicherweise markiert sein heutiger Tweet einen Richtungswechsel. Vielleicht zerbröselt jetzt die Front, die Markus Söder anführt und mit der er das Land und seine Leute in die schlimmste Krise ihre Bestehens stürzte. Noch behauptet er falsch, Corona sei „absolut tödlich“. Aber das könnte sein letztes Rückzugsgefecht sein. Er kann offenbar nicht zugeben, dass er einen folgenschweren Fehler zu verantworten hat. Soll er halt weitermachen, bis die Erkenntnis durchdringt. Das dürfte jetzt nach und nach passieren, mit zunehmenden Insolvenzen, Arbeitslosigkeit und kollabiertem Schulbetrieb. Die Debatte wird sich ändern, da kann er machen, was er will.