Zuerst führen unsere Bildungspolitiker das Bachelor-Master-Chaos an den Unis ein. Jetzt äußern sie – voran Bundesbildungsministerin Annette Schavan – Verständnis für die Studenten, die dagegen protestieren. Wie, bitte, geht so etwas? Wollen die Bildungspolitiker jetzt vielleicht auch noch auf die Straße gehen und gegen die eigene Politik protestieren? Haben wir es hier mit einem Phänomen zu tun, das man als politische Schizophrenie bezeichnen könnte? Wenn sie dagegen sind – warum tun sie es dann und belassen es dabei?

Bildungspolitiker und -administratoren sind ohnehin eine besonders unbelehrbare Kaste – und zudem lahmarschig. In den 90er Jahren war es ja modisch, alles und jedes mit angelsächsischen Wordings zu labeln und consultingmäßig auf ein businesstaugliches Level zu streamlinen. Da hatten lateinische Nomina wie der Magister schlechte Karten. Jetzt, nachdem die 90er zehn Jahren vorüber sind, ist die Mode von einst in deren Köpfen angekommen. Sie führen ihr neues System ein und nennen das Ganze hochtrabend Bologna-Prozess. Offenbar ist die Denkschule, die dahinter steckt, ebenso nur psychologisch zu erklären wie der ähnliche Ablauf bei der Rechtschreibreform. Es geht um Mitreden um jeden Preis, scheißegal, ob außerhalb der bildungspolitischen Zentralkomitees irgendjemand etwas davon hat. 

Ich darf bei dieser Gelegenheit an meinen eigenen Vorschlag für eine wirkliche und konsequente Rechtschreibreform erinnern.

Posted via email from | bitterlemmer |

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