Die Kritik aus der SPD, die Bundespräsident Horst Köhler zum Rücktritt trieb, war ausgelöst durch diesen Spiegel-Online-Artikel. Der zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass die Autoren nicht bemerkten, dass Köhler jahrealte und politisch in alle Richtungen abgesicherte Positionen vertreten hatte. Und die Politiker ließen die Chance nicht aus, mal wieder populistisch zuzuschlagen.

Köhlers umstrittene Äußerung:

Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.

Und hier ein Auszug aus dem Weißbuch des Bundesverteidigungsministeriums aus dem Jahr 2006:

Deutschland, dessen wirtschaftlicher Wohlstand vom Zugang zu Rohstoffen, Waren und Ideen abhängt, hat ein elementares Interesse an einem friedlichen Wettbewerb der Gedanken, an einem offenen Welthandelssystem und freien Transportwegen. Die immense Beschleunigung und Erleichterung des Austauschs von Ideen und Technologie ist ein weiteres Kennzeichen der Globalisierung. Sie verstärkt die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Gesellschaften: Große Finanztransaktionen gehen in Sekundenschnelle um die Welt, Internet und Satellitenkommunikation vernetzen Menschen an entferntesten Orten, das globale Dorf wird Wirklichkeit.Mit diesen Entwicklungen sind auch neue Risiken verbunden, die sich in unterschiedlichem Maße direkt oder indirekt auf die äußere und innere Sicherheit Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger auswirken können.

Und jetzt die Frage an Spiegel und die SPD: Habt Ihr das nicht gewusst? Wolltet Ihr das vielleicht nicht wissen? War das die schnelle Empörungsnummer wert?

Die Linke hat natürlich auch auf Köhler eingeschlagen, aber das dürfte ihm wohl eher egal gewesen sein.

***

Schau an, auch der Spiegel hat jetzt bemerkt, dass die angeblichen Skandal-Äußerungen Köhlers uralt waren und schon im Weißbuch standen. Was tun? Die Kollegen haben sich zur Flucht nach vorn entschieden und behaupten keck, Köhler habe ja noch häufiger gepatzt. Klar, wer will sich schon überführen lassen, mit echt schlechtem Journalismus das Staatsoberhaupt aus dem Amt getrieben zu haben.

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