Die FAZ profiliert sich schon seit einiger Zeit als bisweilen fundamentalistischer Netzkritiker. Vor allem die „Giganten“ Google und Facebook stehen auf dem Zettel von Redaktion und externen Autoren. FAZ-typisch muss dabei möglichst beeindruckende Fallhöhe her. Es geht um Grundlegendes, vor allem um die Meinungsfreiheit. Aus Fallhöhe wird aber schnell Absturzhöhe, wenn die Argumentationstiefe nicht hinterherkommt.

„So zensiert Facebook“, schrieb das Zeitungsportal. Worum geht es? Facebook habe ein paar Bilder gelöscht, auf denen knutschende Schwule oder Lesben oder auch ein künstlerisch fotografierter nackter Mann mit Beinprothese zu sehen waren. Facebook habe sich damit gerechtfertigt, auch Kinder oder Angehörige aller möglichen Religionen seien auf seinen Seiten unterwegs, worauf der FAZ-Autor rhetorisch fragt:

Aber kann ein Muslim oder Buddhist nicht selbst entscheiden, was mit seinem Glauben vereinbar ist? Welche Seiten er aufruft?

Und was ist mit dem Kind, kann das nicht auch selbst entscheiden…? Aber lassen wir das und argumentieren ernsthaft. Die entscheidende Gegenfrage lautet nämlich: Darf Herr Zuckerberg nicht selbst bestimmen, was er auf seiner Webseite zu veröffentlichen gedenkt? Ist es nicht jedem überlassen, Facebook zu nutzen oder auch nicht? Oder ein neues Facebook zu gründen, wenn ihm das alte nicht passt?

Auch der zweite Lieblingsfeind der FAZ wird publizistisch unter Willkür- und Zensurverdacht gestellt. „Google löscht Künstler-Blog: Und dann ist alles weg“ heißt der Artikel, der dazu zuletzt erschien. Es geht um einen Mann, der jahrelang auf seinem Blog sexuell ausgerichtete Werke veröffentlichte. Er nutzte dafür die kostenlose Plattform blogger.com, die zu Google gehört. Das ganze Bohei, das die FAZ dazu aufmacht, ist im Grunde in wenigen Worten erschöpfend beschrieben: Böser Internetkapitalist bedroht die Kunstfreiheit durch undurchschaubare Löschorgie. Das ist natürlich Blödsinn. Die Gretchenfrage lautet auch hier: Wer darf bestimmen, was auf seinen Servern liegt? Antwort: Der Eigentümer natürlich, wer sonst?

Die Sache sähe anders aus, hätte der betreffende Künstler bei einem Provider Serverplatz gemietet und sein Blog selber gehostet, so wie ich das beispielsweise tue. Mein bitterlemmer.net gehört alleine mir. Ich bezahle Geld und erhalte dafür eine Gegenleistung. Meine Texte und Bilder gehören alleine mir. Niemand wird dieses Blog je löschen können oder dürfen. Schon erstaunlich, wie die FAZ über eine kostenlose Blogplattform schreibt. Früher hieß es stattdessen schon mal: „Kostenloskultur ist unwürdig“. Scheinbar ist Kostenloskultur würdig, wenn, ja, wenn ein FAZ-Autor das halt würdig findet.

Eigentlich war ordnungspolitische Analyse mal eine Stärke der FAZ. Jetzt nicht mehr. Es ist recht einfach, darauf zu kommen, dass die Frage nach der Eigentümerschaft die Fragen beantwortet, die die FAZ zwar pathetisch, aber weit neben der Sache ausbreitet. Zensur kann nur der Staat ausüben, keine Privatfirma. Privatfirmen kann man entrinnen, dem Staat dagegen nicht.

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