Die Sache mit den Staatsschulden ist im Prinzip einfach: Die Banken sind die Dealer, die dem Staat ständig neue Kredite geben und damit gut verdienen. Kompliziert und schädlich wird die Sache nur deshalb, weil der Fixer die Spielregeln bestimmt. Pumpt sich der Staat Geld bei der Bank, dann muss die Bank dieses Geld nicht besitzen. Ganz korrekt gesagt: Sie muss keinen Cent davon besitzen. Sie borgt sich billiges Geld bei der Währungsbank EZB und leiht es etwas teurer an den Staat weiter. Wenn die Bank Kredite an Firmen oder Privatleute ausgibt, dann muss sie wenigstens einen Teil davon besitzen. So ist es Gesetz. Nur bei Staaten darf die Bank zu Hundert Prozent geliehenes Geld weiterverborgen.

Der Staat verhält sich insofern wie ein Fixer, als er süchtig ist nach Kredit. Es ist inzwischen völlig egal, ob die Wirtschaft brummt oder nicht und ob die Steuereinnahmen fließen oder nicht – auch dieses Jahr, das ja als erfolgreiches Jahr gilt, hat sich der Staat wieder neues Geld dazuborgen müssen. Das geht soweit, dass selbst Zinsen und Tilgung mit neuen Krediten bezahlt werden. Aber auch die Bank hängt an der Nadel. Sie braucht den Staat, weil er ihr erlaubt, ohne den geringsten Aufwand Zinsgewinne einzustreichen. Fremdes Geld einfach gegen höheren Zins durchreichen – ein perfektes Geschäft. Die Bank muss kein eigenes Kapital zurücklegen. Der Staat dealt mit der Bankengesetzgebung, die das exklusiv nur für Staatskredite erlaubt. Damit hat er jetzt die Banken an der Nadel.

Bisher lautete die Begründung für dieses finanzielle Fixergesetz, dass Staatsanleihen absolut sicher seien und darum keine Risikovorsorge nötig. Inzwischen wissen wir, auch dank der Rating-Agenturen und der bevorstehenden Griechenland-Pleite, dass das nicht stimmt. Darum sind die Politiker auch so wütend auf die Rating-Agenturen. Die sagen, wie es ist, und das wollen sie nicht hören.

Insofern ist der Protest gegen die Banken, den ein paar Dutzend Wutbürger gerade weltweit auf die Straße bringen, einerseits berechtigt, andererseits ziemlich lächerlich. Verräterisch ist, wie die Politiker auf diese paar Dutzend Wutbürger reagieren. US-Präsident Barack Obama freut sich, ihr Anliegen loben zu können. In Deutschland erklärt sich neben anderen die SPD für solidarisch und hat auch gleich eine schöne Forderung parat: Ein Trennbankensystem. Zerschlagung der Banken, nennt das Sigmar Gabriel großspurig. Natürlich ist das totaler Quatsch. Ein Trennbankensystem ist nichts Neues. Japan experimentierte einige Jahre damit herum. Der Anlass war derselbe wie heute in Deutschland, nämlich eine Schuldenkrise. Aber die Japaner fanden heraus, dass ein Trennbankensystem die Schulden nicht wegzaubert. Inzwischen hat Japan wieder Vollbanken. Die Schulden sind unbeeindruckt immer weiter gewachsen. Wie sollte es auch anders sein – es ist schließlich egal, ob der Staat seine Schulden bei einer Vollbank oder bei einer Investmentbank macht. Schulden bleiben Schulden.

Darum sollte man die Anti-Banken-Rhetorik als das sehen, was sie ist: Eine Brunnenvergifter-Theorie. Mal wieder ein neuer Versuch, vom eigentlichen Problem abzulenken. Pure Demagogie. Denn klar ist auch: Es ist der Staat, der das Problem geschaffen hat. Die Banken halten sich nur an die Regeln, die die Staaten ihnen setzen. Dass dieselben Politiker, die die Gesetze machen, deren Gebrauch beschimpfen, ist einfach nur unterste Schublade.

Und ändert nichts am Problem. Das sind die Staatsschulden. Nichts anderes.

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