Die Behörden tun sich offenbar schwer, dahinter zu kommen, wer dieser 17-Jährige Attentäter von Würzburg wirklich war, was ihn motivierte oder mit wem er Kontakt hatte. Im Prinzip scheint es zwei Möglichkeiten zu geben.

Variante 1

Der Mann war tatsächlich Afghane, wie er bei seiner Einreise bekanntgab. Er lebte ein Jahr friedlich in Ochsenfurt in Unterfranken und alles war gut. Dann erfuhr er vom Tod eines Freundes in Afghanistan. Die Todesnachricht warf ihn schlagartig aus der Bahn und er drehte durch. Diese Variante scheinen die Behörden zu bevorzugen. Innenminister Thomas de Maizière sagte, sein eher nach Pakistan passender Dialekt könne daherrühren, dass der Mann aus dem Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan stammen könnte, aber das ist wohl eher noch eine Vermutung.

Variante 2

Der Mann gab sich nur als Afghane aus, war aber in Wirklichkeit Pakistani und hatte von Anfang an Kontakte zum IS. Nur bemerkte das niemand, mit dem er in Deutschland zu tun hatte. Das wäre fatal. Dann wäre er kein Integrierter, der sich schlagartig verwandelte, sondern ein Schläfer gewesen.

***

Wer waren die Leute, die ihn betreuten? Solche wie Simone Barrientos. Barrientos leitet den „Ochsenfurter Helferkreis“, der sich Zuwanderern annimmt. Gewiss hat ihr Engagement auch eine politische Dimension. Sie betreibt einen Verlag, in dem sie linke Literatur herausgibt, mit einem Hang zu DKP- und DDR-Veteranen, auch Hermann Kant, dem früheren Chef des DDR-Schriftstellerverbandes, eine üble Gestalt, die regimekritische Autoren systematisch mundtot machen ließ. Außerdem gehört Barrientos dem Landesvorstand der bayerischen Linkspartei an. Ihre politische Haltung lehne ich ab. Trotzdem will ich ihr lautere Motive bei der Flüchtlingsarbeit nicht absprechen. Zu fragen wäre aber, ob sie Alarmzeichen vielleicht deshalb übersah, weil sie sie übersehen wollte. Weil sie keine Probleme öffentlich machen wollte, die ihre Gegner ihr genüsslich servieren würden. Weil sie wollte, dass „ihre Jungs“, wie sie in Medien zitiert wird, nur Gute sind. Weil sie mit ihrem Engagement auch eine eigene Geschichte erzählen wollte.

Es wäre natürlich gut, wenn die Behörden nicht nur vermuten würden, wer der Mann war und woher er wirklich stammt. Weiß hierzulande niemand, wo er geboren wurde? Wer ihm die Todesnachricht aus Afghanistan übermittelte? Wer sein Vater ist, dem er einen Abschiedsbrief gewidmet haben soll? Das sind ja alles relativ harte Fundstücke, und die Thesen, die die Ermittler darum gestrickt haben, sollten sich überprüfen lassen.

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