AKTUALISIERTE FASSUNG HIER. Die Chose mit den Griechen (und Portugiesen und Spaniern, demnächst wohl auch Italienern und Iren) ist nicht so schwer zu verstehen, wie die Lektüre der Zeitungen oder die verquasten Tagesschau-Nachrichten uns weismachen. Gänzlich einfach zu verstehen ist zudem, dass jeder von uns es am eigenen Geldbeutel merken wird, wenn wir den Griechen aushelfen.

1. Bis zum Jahresende muss Griechenland 54 Milliarden Euro an seine Gläubiger zurückzahlen, allein im April und Mai 20 Milliarden Euro. Dazu ist das Land nicht in der Lage. Es muss – MUSS! – darum neue Schuldscheine ausstellen, und zwar in mindestens der Höhe, die im April und Mai fällig wird. In der Vergangenheit war so etwas kein großer Akt. Wenn ein Staat Schuldscheine auf den Markt bringt, finden sich bisher immer Abnehmer. Jetzt nicht mehr. Bereits die letzte Ausgabe von griechischen Papieren fand nicht genug Kundschaft. Das Land bekam weniger Geld als erhofft. Die Chancen stehen hoch, dass sich jetzt noch weniger finden, trotz hoher Zinsen von inzwischen um die 6 Prozent. Das bedeutet, dass Griechenland einen Teil seiner fälligen Schulden nicht wird zurückzahlen können. Der Staat ist also bankrott.

2. Was tun? Da die griechischen Regierungen – rote wie schwarze – seit Einführung des Euro die anderen Länder schlicht beschissen haben, wäre eigentlich der Rausschmiss aus der Euro-Zone fällig. Beschissen heißt: Sie haben ihre Bilanzen gefälscht und ihren Schuldenstand hinter getürkten Statistiken versteckt. Vorsätzlich. In betrügerischer Absicht. Unternehmer oder Bilanzbuchhalter würden für so etwas ins Gefängnis wandern. Allfällige Sanktionen gegen Griechenland sind aber nicht möglich, weil so etwas im Maastricht-Vertrag schlicht vergessen wurde. Andererseits wurde aber  vereinbart, dass die anderen Euro-Länder keine Hilfsgelder überweisen, wenn ein Land in Schulden versinkt. Diese Festlegung wollen die Regierungen der anderen Euro-Länder jetzt offenbar vergessen. Die deutsche Bundesregierung wird zahlen – lautet meine Wette, denn die Folgen werden sich bis zur Landtagswahl in NRW hinter Politiker-Blabla verbergen lassen.

3. Was wären diese Folgen? Sehr einfach: Das Geld, das jetzt schon bei der Kreditausgabe fehlt, wird noch knapper. Vor allem der Mittelstand fürchtet, dass die sogenannte Kreditklemme dieses Jahr noch enger werden könnte. Dafür spricht, dass die Staatsschulden auch in Deutschland dieses Jahr massiv steigen. Der Zusammenhang ist wiederum evident: Jeder Euro, den sich Vater Staat vom Geldmarkt holt, fehlt anderen, die auch gern Kredite aufnehmen würden. Man nennt diesen Effekt Crowding Out. Ökonomen streiten noch, ob wir schon eine Crowding-Out-Situation haben, aber es werden mehr, die das so sehen. Im nächsten Schritt würde dann eine Inflation folgen, die nichts anderes als eine Senkung der tatsächlichen Einkommen bedeuten würde. Das betrifft jeden von uns. Ausnahmslos.

4. Wird die Bundesregierung das zulassen? Sie wird. Diese und die früheren Regierungen entscheiden grundsätzlich immer so, dass die kurzfristigen Konsequenzen überschaubar bleiben, auch, wenn die langfristigen Schäden sich immer höher auftürmen. Kurzfristig würde es ein politisches Erdbeben in Griechenland geben, wenn dort der Staat plötzlich kein Geld mehr hätte. Schlimmstenfalls würden Beamtengehälter und Pensionen nicht mehr ausbezahlt. Die griechische Bahn, die jedes Jahr 800 Millionen Euro (!) Miese einfährt, müsste wohl einen Teil des Betriebes einstellen. Das Land würde ziemlich schlagartig auf seine wahre Größe geschrumpft. Die Bilder, die dann jeden Tag aus Griechenland bei uns landen, will niemand sehen. Weil…

5. …dasselbe Szenario auch hierzulande droht, nur nicht sofort. Auch Deutschland denkt nur ans Geld ausgeben, nicht aber ans Erwirtschaften. Ob schwarz oder rot – jede Bundesregierung seit den 70er Jahren hat Ausgaben und Schulden erhöht. Griechenland wird im April und Mai demonstrieren, was passiert, wenn das Limit erreicht wird, auf das auch wir ziemlich zielstrebig zusteuern. Und all diese verantwortungslosen Politiker hoffen nur eines: Dass sie diesen Tag nicht im Amt erleben.

11 Kommentare
  1. Georgios Zampounidis sagte:

    die armen Griechen !!!! Die können nix für die korrupten unfähigen Penner in der aktuellen Regierung. Hoffentlich nützt der ganze Protest auf den Strassen mal was, und
    Geld wird wirklich mal sinnvoll verwendet als für Prachtvillen auf zufällig verbrannten Boden, sinnlosen Import den man dann wieder billiger verscherbelt, weil ihn niemand kaufen kann, und für Personal, dass mal drauf achtet ob nicht doch mal der ein oder andere greiche mal n Euro Steuern bezahlt. Aber sonst ist GR schön

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  2. Christoph Lemmer sagte:

    Hi George, irgendwie sind wir ja alle Griechen, weil die Debatten bei uns ähnlich laufen. Westerwelle Beiträge gehen ja voll in die Richtung. Wer in den Medien hätte denn den Mut, die Dinge so aufzuschreiben, wie sie sind? Wissend, dass viele das lesen, die von Subventionen, Zuschüssen oder sonstigen Steuerprivilegien profitieren und es nicht die Bohne lustig fänden, das gestrichen zu bekommen? Die Griechen wie die Deutschen mir vor wie Süchtige, denen man mitteilt, dass ihnen das Heroin gestrichen wird. Und in Griechenland sehen wir, wie gerade ein Volk auf Turkey kommt.

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  1. […] Die Politik wird am Ende kapitulieren – weil die Sache zu teuer werden wird. Nachdem meine letzte Griechenland-Wette voll ins Schwarze ging, hier die nächste: Wetten, Griechenland führt die Drachme wieder […]

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  4. […] Es ist einigermaßen absurd, was gerade um die bevorstehende Staatspleite Griechenlands herum passiert. Jetzt sollen also, klar doch, die “Spekulanten” Schuld sein, schreibt Spiegel Online. Vermutlich war es auch nur Zufall, dass griechischen Politikern und Gewerkschfts-Aktivisten zufällig genau jetzt  einfiel, Deutschland habe keine Reparationen für die Besatzung während des zweiten Weltkriegs gezahlt. Oder die leicht paranoide Behauptung, Griechenlands Staatsschulden seien nur deshalb entstanden, weil die EU das Land zum Kauf teurer Waffen zwinge. Mal sehen, welche Verschwörungstheorien noch aufkommen. Tatsächlich ist die Lage nicht sehr schwer zu verstehen. Das Drehbuch zur Krise samt bisher fast erschreckend stimmiger Prognose hier. […]

  5. […] unrühmliche Vorreiterrolle spielt und demnächst als erster Euro-Staat demonstrieren wird, wie ein Staatsbankrott aussieht, nämlich wie ein schwarzes Loch für […]

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