Ich wollte kurz darauf hinweisen, dass die beiden Schweizer Geschäftsleute, die Herr Gadhafi sich neulich gekrallt hatte, jetzt von einem libyschen Gericht zu 16 Monaten Haft verurteilt wurden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich daran erinnern, dass die bulgarischen Krankenschwestern, denen es ja ähnlich erging, während ihrer Haftzeit grausam gefoltert und gequält wurden. Jetzt, während Ihr das lest, schreit vielleicht gerade einer der beiden Schweizer vor Schmerz, während sein Folterer schmierig grinst und mit der Lieblingsantwort aller Folterer in Hollywood-Filmen antwortet: Schrei nur, hier hört Dich keiner.

Das Schweigen der deutschen Zeitungen, die sich über den Minarette-Volksentscheid aufregen, bestätigt den Folterer – leider. Man schämt sich mal wieder für die politische und publizistische Kultur des eigenen Landes. Ich fand es ja auch schon zum Schämen, dass Herr Gadhafi vor der UNO zur Vernichtung der Schweiz aufrufen durfte und offenbar auch die versammelten deutschen Diplomaten dabeisaßen und zuhörten, als sei das eine X-beliebige Rede, dabei vermutlich wichtig mit dem Kopf wackelten, gelegentlich die Ohrstecker zurechtrückten, durch die der Dolmetscher Gadhafis Kriegstreiberei gegen das christlich-jüdische Abendland übersetzte und in Gedanken vielleicht an einer der üblich-langweiligen gewundenen Erklärungen formulierten, mit der sie diese Unglaublichkeit aus den dickeren Schlagzeilen zu halten trachteten. Und auch bloß darüber zu beschwichtigen, was den ollen Gadhafi so in Rage gebracht hatte. Das war ja – auch zur Erinnerung – wegen seines arg verzogenen gewalttätigen Berufssohnes, der in der Schweiz in seinem Milliardärssohnquartier eine Bedienstete verprügelt hatte. Weil Herr Gadhafi wohl findet, sein rotzlöffeliger Bengel sei etwas Besseres, nahm er es nicht hin, dass die Schweiz ihn in ein niedliches, folterfreies Schweizer Gefängnis steckte und begann seine Vendetta. Aber das sind, wir lesen es ja, nur kleinere Themen, die irgendwo im „Panorama“-Ressort oder als Einspalter auf Seite 7 (oder so) stehen.

Ansonsten wäre es noch gut, daran zu erinnern, dass die Schweizer nur den Bau von Minaretten verboten haben, nicht den Bau von Moscheen. Sie haben auch nicht beschlossen, bestehende Moscheen zu enteignen oder islamischen Gemeinden den Status als Körperschaft abzuerkennen – so, wie es die Türkei mit christlichen Gemeinden treibt. Sie haben auch nicht beschlossen, Muslime fürs Beten zu Allah ins Gefängnis zu stecken, wie es die Saudis tun, wenn Christen zum Christengott beten, oder vor Gericht zu stellen und ihre Führer zu ermorden, wie es die Iraner mit den Bahai tun. Und dann wäre es noch ganz gut, wenn die Herrschenden mal ein paar Nachhilfestunden buchen würden und sich Demokratie erklären lassen. Mehrheit ist halt Mehrheit. Damit haben die Herrschenden immer dann kein Problem, wenn sie in der Mehrheit sind, wohl aber, wenn die Mehrheit etwas anderes will, als sie. Die Schweizer sollten auf der Hut sein: Die Iren mussten ja auch ein zweites Mal über den Lissabon-Vertrag abstimmen, nachdem sie beim ersten Mal die Frechheit besaßen, den Regierenden ein nein zu geben.

Womit die nächste Frage aufkommt: Wie demokratisch ist Deutschland eigentlich wirklich?

Posted via email from | bitterlemmer |

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.