Manche Pressemitteilung klingt, als habe gerade jemand das Rad neu erfunden. Der neue Internet Explorer “setzt neue Maßstäbe bei Geschwindigkeit, Design  und Sicherheit und überzeugt damit Anwender, Webdesigner und  Entwickler”, tickert die Microsoft-Pressestelle heute in die Redaktionen. Das ist natürlich Kokolores, weil der neue IExplorer erst seit heute zu haben ist, und da wird sich erst erweisen , ob er wirklich schneller und sicherer ist als andere Browser (nach welchen Maßstäben auch immer – messen die bei Microsoft die Zeit neuerdings nicht mehr nach Minuten und Sekunden?). Das Getöse der MS-Öffentlichkeitsarbeiter übertönt auch ein bisschen die viel spannenderen Meldungen aus dem Web 2.0.

Twitter: Das neue Design nimmt Funktionen auf, die auch Facebook anbietet. Das könnte spannend werden. Ein Facebook ohne Farmville, Friendfinder und ähnliche Schrott-Apps könnte manchen reizen. Die Twitter-Entwickler wollen die Gemeinde damit von Twettdeck, Twitpic und anderen Plattformen auf die eigene ziehen und endlich Geld verdienen. Offenbar ist kontextsensitive Werbung geplant, ähnlich wie bei Google.

Diaspora: Der Quellcode ist veröffentlicht. Jetzt wird es nur noch ein paar Tage dauern, bis kompilierte Versionen vorliegen. Diaspora ist eine Art Facebook, liegt aber nicht auf einem zentralen Server. Wer will, kann die Software auf seinem heimischen PC installieren, wie eine Webseite bei einem Internet-Provider oder auf einem eigenen Webserver. Sinn der Sache ist es, mehr Datensicherheit zu schaffen. Kommerzielle App-Anbieter sind aus dem Rennen. Niemand muss sich mehr davor fürchten, dass jemand das persönliche Adressbuch plündert. Schlau ist der Gedanke der Entwickler, verschiedene Kategorien von “Freunden” zu ermöglichen, etwa aus Job und Privatleben. Künftigen Vorgesetzten bleiben auf diese Weise die lockeren Fotos der letzten Party erspart.

Facebook: Auch der Platzhirsch bewegt sich in Richtung Job-Kontakte, bzw. ein neuer App-Anbieter. Das Startup Branchout hat sechs Millionen Dollar Investorengelder erhalten und will eine Job-Börse auf Facebook anbieten.

Internet Explorer 9: Die wichtigste Nachricht abseits des PR-Gekröse ist die Unterstützung von HTML5. Das ist eine gute Nachricht. Endlich akzeptiert Microsoft allgemeine Standards. Deshalb hat die Windows-Firma das Rad aber nicht neu erfunden. Chrome, Firefox und Safari können das schon länger, und Apple-Chef Steve Jobs musste einige Prügel einstecken, als er HTML5 als künftigen Standard propagierte und dafür in iOS nach wie vor auf Flash verzichtet. Die Bedienoberfläche und der Verzicht auf Logos, Knöpfchen und Symbolleisten scheint mir übrigens sehr von Chrome abgeguckt.

Um es mal so zu sagen: Die unwichtigste Nachricht wird dank Microsofts PR-Macht zwar am meisten geheipt, aber heißer ist definitiv, was sich gerade im Web 2.0 tut.

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