Die Diskussion um die Erbschaftssteuer ist auch so ein ewiger Dauerbrenner. Die Details, um die es dabei geht, sind meistens ziemlich ermüdend, die geistigen Grundlagen, auf denen die Politiker diskutieren, dagegen erhellend. Da liefert eine Überschrift von Spiegel Online nebst Beschreibung einer neuen Wortmeldung genau den richtigen Stoff.

Die Überschrift lautet: „Jachten produzieren nix“. Sie spitzt eine Forderung der immer klammen Landesregierung von NRW zu, die – verkürzt gesagt – „reiche“ Erben verstärkt schröpfen möchte, und zwar auch dann, wenn es ererbtes Betriebsvermögen ist. NRW argumentiert mit „Gerechtigkeit“, diesem Begriff, über den schon der als „Sprachpapst“ titulierte Wolf Schneider spottete, er wisse gar nicht, was das genau sei. Ich will aber auf etwas anderes hinaus, darauf nämlich, dass nach sozialdemokratischer Lesart ein Erbe zu etwas „Sinnvollem“ gut sein müsse (auch wieder so eine wolkige Zuschreibung), aber jedenfalls nicht zu unbeschwertem Verschwenden. Ginge es „nur“ um Luxus, dann solle künftig höhere Erbschaftssteuer fällig sein. Die Spiegel-Redaktion verkürzt das auf den Fall, dass ein Unternehmen eine Yacht besitzen könne, die mitsamt Fabrikhallen, Patenten und was eine Firma noch so haben kann zu rabbierten Sätzen an die Erben gehen könnte, ob die Yacht an sich keinen Nutzen für den Staat bringe (Arbeitsplätze, Gewerbesteuer, usw.).

Das heißt also im Klartext, dass die NRW-Landesregierung bestimmen will, welche Firmenschätze das Prädikat sinnvoll und welche Firmenschätze das Prädikat Luxus angeheftet bekommen sollen. Das freilich ist nichts anderes als das typisch paternalistische Politikverständnis aller Parteien (die AfD übrigens eingeschlossen). Der Staat überlässt es nicht einem Unternehmen, zu entscheiden, was es als sinnvoll erachtet und was nicht, sondern bestimmt ex cathetra.

Und dann ist es natürlich auch mal möglich, dass eine Yacht vielleicht doch mal auch in den Augen dieses protestantisch-pietistisch und von Blutarmut geprägten Bürokratenmilieus mal als sinnvoll, nützlich, angemessen oder wie auch immer durchgehen kann. Dann nämlich, wenn eine Institution sich eine zulegt, die im Parteienbiotop gehegt wird wie die öffentlich-rechtlichen Sender. Zu denen gehört Arte. Arte chartert bisweilen eine Yacht, um während des Filmfestes in Cannes schicken Besuch standesgemäß zu bewirten. Viel berichtet wird darüber in der Regel nicht, klar, derartiges könnte manche Argumentation im deutschen Politikbetrieb behindern, aber manchmal liest man doch was. Vor ein paar Jahren  schrieb eine Nachwuchsschauspielerin namens Monika Anna Wojtillo von einem Besuch in Cannes folgendes:

Später geht es mit der gesamten Reisegruppe auf die Arte-Yacht, wo man stilecht bei einem Glas Champagner auf dem Oberdeck der spätrömischen Dekadenz frönt und gleichsam einem schwitzenden Lachshäppchen versucht, Redakteuren seine neuen Stoffe schmackhaft zumachen.

Und da sage einer, Yachten produzierten nix.

Foto aus http://www.tendaysinparis.com/beaches-and-booze-our-cannes-film-festival-2014-party-guide-19887.html
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