|Heute passieren in Berlin coole Sachen, die neuerlich zeigen, dass die Partei, die Partei, eben doch nicht recht hatte. Den Überblick über die offiziellen Feiern gibt es hier. Die Mauer, symbolisch aus riesigen Dominosteinen neu errichtet, wird noch einmal eingerissen. Es gibt ein Fest um das Brandenburger Tor, das treffend Fest der Freiheit heißt. Gegen 20 Uhr beginnt ein Flashmob entlang des alten Mauerverlaufs. Eine hübsche Idee: Mit Taschenlampen wollen die Teilnehmer die Spaltung noch einmal sichtbar machen.

Toll ist auch, was in den letzten 20 Jahren in Berlin und Deutschland passiert ist. Die wirklichen Verlierer des Umsturzes sind die früheren SED-Bonzen, wobei die Glück hatten, dass die Deutschen ein so friedliches Volk sind. Die anderen Völker des früheren Ostblocks haben ihre Kommunistischen Parteien verboten, etliche ihrer Anführer ins Gefängnis gesteckt (wo sie nach meinem Dafürhalten auch hingehören) oder gleich ins Jenseits geschickt.

Bei uns existiert die Partei dagegen nach wie vor. Sie hat sich halt ein paar Mal umbenannt – von SED zu PDS zu Linkspartei. Die Partei der Parteien, die in einem der bekanntesten DDR-Kampflieder ihren Anspruch auf den Punkt brachte: „Die Partei, die Partei die hat immer recht“. Großartig auch das Ende des Refrains: „So, aus Leninschem Geist, wächst, von Stalin geschweißt, die Partei, die Partei, die Partei.“

Wer das damals nicht mitsingen wollte oder beim Mitsingen nicht fröhlich genug guckte, der konnte es sich leicht mit den Genossen verscherzen. Heute hat die Partei nicht mehr so ohne weiteres recht, aber sie ist nicht schlecht darin, die Verhältnisse zu verdrehen. Die linke Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch bejammerte gestern Abend in der Mauerfall-Jubiläumsausgabe von Anne Will die großen Veränderungen, denen die Menschen im Osten mit der Wiedervereinigung ausgesetzt waren. Das ist schon arg. Ich erinnere mich ganz gut daran, dass die Menschen diese Veränderungen ziemlich heftig verlangt hatten. Es ging ihnen ja gerade darum, die Rechthaberpartei abzuschütteln. Es ging nicht um kleinliche Grundrechenarten, sondern um das große Ganze. Das, was die allermeisten in der DDR wollten, war schlicht der Anschluss an den Westen. Die Eliten wollten den damals nicht, weder im Osten noch im Westen, aber das Volk wollte ihn, wählte darum im März 1990 Kohl und sorgte dafür, dass heute die Freiheit gefeiert wird. Und die damaligen Eliten feiern mit, wenn auch etwas missvergnügt, immer mit einer ernsten Mahnung auf den Lippen.

So gesehen ein doppelt guter Tag: 1., einmaliges Ereignis feiern, 2., Schadenfreude genießen.

Posted via email from | bitterlemmer |

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.