Zum Glück sind die Geschichten, die die Berlinale-Filme erzählen, nur ausgedacht. Hätten sie auch nur das Mindeste mit dem wahren Leben zu tun, dann wäre das Leben grauenhaft. Wirklich grauenhaft ist freilich, dass die Massenproduktion an Abstrusitäten fast durchweg aus Steuer- und GEZ-gespeisten Fördertöpfen finanziert wird. Anders gesagt: Zur Strafe, dass der Bürger sich der Depressivität der Filmer verweigert, zahlt er eben auf andere Weise für Stoffe, auf die man erstmal kommen muss.

Da wird etwa der erste politische Naturfilm aller Zeiten präsentiert. Ein gewisser Philip Scheffner drehte dafür Spatzen in Vogelschutzgebieten und auf Truppenübungsplätzen. Die PR-Leute der Berlinale sind offenbar besonders stolz auf folgenden Satz in der Filmbeschreibung: „Am 14. November 2005 wird in einer niederländischen Stadt ein Spatz erschossen. In Kabul stirbt ein deutscher Soldat“. In „Shahada“ geht es um die Geschichte eines türkischen Imam, seiner lebenslustigen Tochter, eines nigerianischen Schwulen und eines türkischen Polizisten. In „The Kids are alright“ gibt es Spannungen, als die beiden Kinder eines lesbischen Paares ihre leiblichen Väter ausfindig machen wollen. In „Bananas!“ kämpft eine Art männlicher Erin Brokovitch gegen den Bananankonzern Dole, weil der die Pflücker in seinen südamerikanische Plantagen vergifte. In „Howl“ wird die ebenfalls eher randständige Geschichte um ein obszönes Skandalgedicht des Schriftstellers Allen Ginsberg in den 50er Jahren erzählt. In „Caterpillar“ kehrt ein japanischer Soldat ohne Arme und Beine zu seiner Frau zurück. Kritiker schrieben dazu: „Ein starkes Plädoyer gegen den Krieg“. In „Moloch Tropical“ schildert ein haitianischer Regisseur den Kampf des Volkes gegen einen demokratisch gewählten Staatschef, der sich trotz Rebellion an sein Amt klammert. Miss Tagesthemen Sabine Christiansen, die inzwischen zur UNICEF-Botshafterin befördert wurde, nutzte die Gunst, um mitzuteilen, dass in Haiti noch nicht wieder alles gut sei.

Und dann gab es noch die Gala „Cinema for Peace“ mit einem fünstündigen Programm aus Oper, tibetanischen Volkstänzen und irischer Folklore sowie einer Ansprache Leonardi DiCpaprios, der den versammelten Gästen (Promis und Leute, die 1000 Euro für ein Ticket bezahlt hatten) zurief, dass, wer jetzt sofort 2000 Euro spende, sich zu ihm aufs Podest gesellen dürfen, worauf aber niemand kam. Der notorische Bob Geldof hatte sich vorher den liberalen Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel vorgeknöpft, als er ihm vom Podium herab zurief, er frage sich, wie er es geschafft habe, eine so hübsche Frau zu erobern, weil er doch ein so hässlicher Mann sei.

Uff.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.