Medienkritik meiner Mutter: Sie ärgert sich über einen Satz in der FAZ, der vermutlich beifallheischend genau für sie geschrieben wurde. Gesichtsmasken begegnen einem inzwischen in den kuriosesten Situationen. Iranische Flugzeuge sind doch keine rechte Propaganda. Und Soforthilfen heißen nur so, außer in Berlin.

Wer darf leben, wer muss sterben?

In der gedruckten FAZ schrieb der dortige Spanien-Korrespondent über die überforderten Kapazitäten der dortigen Krankenhäuser. Alte Menschen würden im Ernstfall nicht mehr behandelt, was der Autor als Skandal darstelle. Was meine Mutter – selber Ärztin – wiederum ärgerte. Wie sollten Ärzte sonst entscheiden, wenn die Plätze nicht für alle reichen? Und woher komme in allen Medien plötzlich die Vorliebe für Gerätemedizin für sterbenskranke alte Menschen? Warum sind Journalisten wie der Spanien-Korrespondent der FAZ eigentlich so zurückhaltend, wenn es um die Details der nur pauschal erwähnten Vorerkrankungen geht? Spielen die vielleicht eine größere Rolle, die nur der Zuspitzung der Zeile nicht diente? Meine Mutter ist übrigens 86 und für ihr Alter bemerkenswert fit. Sie ist freilich auch mehrfache Großmutter. Insofern ist ihr eine über die persönliche Lebenserwartung reichende Zukunftsperspektive vielleicht eher eigen als einem alten Menschen ohne Kinder.

Ungeahnte Tücken der künstlichen Beatmung

Wenn man liest, was Dr. Marc Hanefeld über die künstliche Beatmung schreibt, dann staunt man, wie leichtfertig Medien solche Beatmungs-Meme verbreiten. Derzeit scheint man in den Redaktionen zu glauben, es brauche nur ein paar Tausend zusätzliche Geräte und alles sei gut. Hanefeld beschreibt dagegen im Detail, wie menschliche Atmung funktioniert (als spontaner Reflex und keineswegs nach zeitlich getakteten Rhythmen) und warum künstliche Beatmung extrem aufwändig, gefährlich und personalintensiv ist – wobei auch nicht irgendwelches Personal dafür tauge, sondern nur solches, das jahrelang darauf geschult sei.

Triage und Strafrecht

Zu den rechtlichen Problemen der Triage hat sich der Regensburger Strafrechtsprofessor Henning Ernst Müller Gedanken gemacht. Das Lebensalter als alleiniges Kriterium sieht er als unzulässig an. Rechtlich geboten sei es, nach medizinischen Regeln die Überlebenswahrscheinlichkeit zu ermitteln und danach zu handeln. Sollte ein alter Mensch mit geringer Überlebenswahrscheinlichkeit schon an der Maschine hängen und ein junger, behandlungsbedürftiger Patient später eingeliefert werden, dürfe der bereits Behandelte nicht abgeschaltet werden. Gehe es aber nur noch darum, den Sterbeprozess zu verlängern, sei auch das möglich. Solche Gedanken sind keineswegs juristische Spitzfindigkeit, sondern notwendige Unterstützung für Mediziner für möglicherweise bevorstehende Entscheidungen.

Achtung, Radfahrer! Maske hoch!

War ja klar, dass irgendjemand auch diese Umfrage in Auftrag geben würde: 57 Prozent der Deutschen sind jetzt für eine Tragepflicht von Gesichtsmasken. Abseits der Zahlen kurz diese Begebenheit: Ich radele mit meiner Tochter über einen breiten Radweg. Dort sind auch Spaziergänger unterwegs. Ein älteres Ehepaar kommt uns entgegen. Als wir uns nähern, ziehen die beiden Tücher über Mund und Nase. Als wir sie passiert haben, machen sie ihre Gesichter wieder nackig. Mit der Bekämpfung von Corona hat das wohl nichts zu tun. Hier geht es allein um mentale Befindlichkeiten.

Minister im Kriegswirtschafts-Modus

Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich für eine nationale Gesichtsmaskenindustrie ausgesprochen. „Wir müssen unabhängiger vom Weltmarkt werden“, schreibt er auf Twitter. Ein Aufruf zur Kriegswirtschaft? Oder ist damit auch gemeint, in Friedenszeiten keine Autos mehr nach China zu verkaufen?

Mit einigen Wochen Verspätung bemerkte Spahn zudem, dass wochenlang Flugzeuge mit hustenden Menschen aus dem Iran in Deutschland landeten und dass die hustenden Menschen anstandslos in die Bundesrepublik eingelassen wurden. Rechte Twitterer haben sich wochenlang darüber lustig gemacht. Jetzt lobt sich Spahn dafür, Flugzeugen aus Iran die Landeerlaubnis entzogen zu haben.

Droht jetzt Armut?

In den USA haben sich binnen weniger Tager annähernd zehn Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Weltweit steht die Industrie still. In der Landwirtschaft fehlen angesichts der Grenzschließungen die Erntehelfer, was zu unpopulär teuren Preisen für Gemüse führen könnte. Die gesamte industrialisierte Welt steht vor einem wirtschaftlichen Desaster. Ursache dafür ist kein Massensterben, sondern nur die – vermutlich unbegründete – Angst vor einem solchen. Die Zahl der weltweit mit Corona infizierten Menschen überschreitet jetzt die Million. Das sind 0,0125 Prozent der Weltbevölkerung (8 Milliarden). Dank Globalisierung, offener Grenzen und fortschrittlicher Produktion ist die Lebenserwartung weltweit so hoch wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Nie starben weniger Menschen wegen Hunger und Armut. Ist allen klar, was wir gerade riskieren?

Soforthilfen? Jedenfalls nicht sofort

Aus Berlin gibt es Meldungen, dass die ersten Freiberufler Soforthilfen des Staates erhalten haben. Aus Bayern gibt es Aussagen der Freistaatsregierung über Geldsummen, die unterwegs sein sollen. In meinen sozialen Kanälen habe ich nur einen ausfindig gemacht, bei dem Geld eingegangen sei. Ansonsten scheint kaum jemand bisher eine Reaktion auf seinen Antrag erhalten zu haben, weder einen Bescheid noch eine Zahlung, und zwar seit mehreren Wochen nicht.

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