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Die Debatte √ľber die Piraten-Partei artet zunehmend in ein gouvernantenhaftes “darf man das” aus. √úber manches, etwa die Verbrennung von Emma-Heften, kann man sich streiten, und man darf nat√ľrlich auch, wie der Focus und praktisch alle anderen das getan haben, die Berichte √ľber dieses Treiben mit den reflexhaften Erinnerungen an die B√ľcherverbrennungen der Nazis einleiten. Man darf sich aber auch fragen, ob es nicht doch einen kleinen Unterschied zwischen V√∂lkerm√∂rdern und gewaltfreien Aktivisten gibt. Oder zwischen dem Symbol f√ľr die physische Vernichtung ganzer Denkschulen und unerw√ľnschter Herkunft oder der ungeschickten (wenngleich berechtigten!) Kritik an einem Schm√§hartikel. Und ob man den Nazis nicht einen unverdienten Gefallen tut, wenn man sie wegen Denktr√§gheit mit vergleichsweise harmlosen Piraten zusammenwirft.

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Anfang Juni 2011 meldete die Internationale Energieagentur, 2010 sei der Aussto√ü des Treibhausgases CO2 so hoch gewesen wie noch nie. In Deutschland fiel diese Meldung nicht weiter auf. Sie passte irgendwie nicht in das nuklear dominierte politische Klima. Au√üerhalb Deutschlands ist die Wahrnehmung anders. Wir sind gerade ein bisschen isoliert. Auch die Umweltbewegung in Deutschland hat sich vom Rest der Welt abgekoppelt. In den USA hat der Wortf√ľhrer der Aktivisten, Stewart Brand (Foto), seine Ansicht zur Atomkraft sogar radikal revidiert, weil er sie einerseits nicht mehr f√ľr so gef√§hrlich h√§lt wie fr√ľher und andererseits der zunehmende CO2-Anteil der Atmosph√§re das gr√∂√üere Problem sei. Deutschland fehle gerade etwas der √úberblick, vermutet Brand.

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Na, wenn jetzt auch die Ethik-Kommission der Bundesregierung, eigens zu diesem Zwecke berufen, die Atomkraft nur noch f√ľr zehn Jahre f√ľr vertretbar h√§lt und dann nicht mehr, dann ist das letzte Wort wohl gesprochen. Immerhin sa√üen da auch Geistliche und diverse Lobbyisten der Klimagutachter-Industrie, von der Regierung beauftragt, eine Entscheidung zu f√§llen, nachdem sich die politischen Parteien, vor allem ihr parlamentarischer Teil, vor einer eigenen Entscheidung √ľber die Atomkraft dr√ľcken. Das kann man getrost Arbeitsverweigerung gegen√ľber dem W√§hler nennen. Noch weit schlimmer ist allerdings¬† das Etikett “Ethik”, in deren Namen die Kommission entschied. Nicht mehr Naturwissenschaftler und √Ėkonomen werden geh√∂rt, um Risiken und Nutzen einer umstrittenen Energiegewinnung abzuw√§gen und den Politikern eine Entscheidungsgrundlage zu verschaffen, sondern ein diffuses Gremium aus Moralpredigern und Schw√§tzern. Das √§rgste dabei ist: Da ja die Atomentscheidung h√∂chsten Ortes zur ethischen Frage erhoben wurde, darf jeder, der anders dar√ľber denkt, als unethisch diffamiert werden. Das ist zwar nicht besonders neu, fanatische Anti-AKW-Aktivisten halten schon immer alle Andersdenkenden f√ľr Verbrecher, f√ľr B√ľttel der Atomindustrie und damit im Prinzip frei zum Abschuss, aber dass solche vorzivilisatorischen Muster mit regierungsamtlichem Siegel versehen werden, ist neu.

Die Idee ist einfach, die Umsetzung  noch nicht. Man nehme Wasser, mische ein Zauberpulver dazu, lasse die Sonne draufscheinen und, tataa, steigt oben Wasserstoff auf. Den f√ľlle man in Tanks und verwende ihn wie Benzin, Heizl√∂l oder Kohle. An exakt dieser Idee arbeitet das Team des Berliner Chemieprofessors Reinhard Schom√§cker. Im Labor funktioniert sie schon.

Ob sie je in gro√üem Ma√üstab gebaut werden kann, ist eine Frage der Investitionen. “Jede Entwicklungsstufe kostet etwa das Zehnfache der vorherigen Entwicklungsstufe”, sagt Schom√§cker. Konkret: Wenn die Grundlagenforscher ein Funktionsprinzip entdeckt haben, dann kostet es zehn Mal mehr als die Grundlagenforschung, um daraus eine gro√ütechnische Anlage zu entwickeln. Genau das ist Schom√§ckers Job. Die Grundlagen der Wasserstoff-Energiewirtschaft sind l√§ngst gelegt. Was fehlt, ist der Stoff in ausreichender Menge, ist die Infrastruktur mit Wasserstoff-Tankstellen an jeder Ecke.

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Man steht etwas fassungslos da und fragt sich, was jetzt schlimmer ist: Die eventuelle Kernschmelze in japanischen Kernreaktoren, oder die nunmehr unbestreitbare Hirnschmelze in deutschen Redaktionen und Politiker-Stuben. Gleich letztes Wochenende etwa die Gr√ľne Renate K√ľnast mit dem v√∂llig verantwortungslosen Satz: “Das ist wie Tschernobyl”, so wiedergegeben in der Berliner B.Z. Steile Meinungen und die widerw√§rtige Ausbeutung der japanischen Katastrophe von deutschen Panik- und Gef√ľhlspolitikern funktionieren hervorragend. Die Desaster-Gewinnmaschine des Spiegel scheint wie geschmiert zu laufen. Offenbar telefonieren die Spiegel-Werbe-Verk√§ufer gerade ihre Gro√ükunden ab, um angesichts explodierender Klickzahlen ordentlich Krisengewinne abzusahnen, wenn Anwalt Steinh√∂fel zutreffend bloggt, wof√ľr spricht, dass er beste Dr√§hte zum Werbe-Gro√ükunden Metro haben soll. Ebensogut laufen die Gesch√§fte von Apotheken (Jod-Tabletten) und Elektro-Conrad (Geigerz√§hler). Gekniffen ist freilich, wer dieser Tage Fakten statt Meinungen und Emotionen will.

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Er wolle nicht “mit einer so schlimmen Katastrophe Politik machen”, meinte heute fr√ľh der rheinland-pf√§lzische Ministerpr√§sident Kurt Beck (SPD), um dann aber genau das zu tun und das Ungl√ľck in Japan als Vehikel f√ľr die eigene Atom-Ausstiegspolitik zu nutzen. Auch Renate K√ľnast von den Gr√ľnen und Klaus Ernst von der Linkspartei lie√üen sich die Chance nicht entgehen, um die “unbeherrschbaren Risiken” der Atomkraft zu gei√üeln oder zu bedauern, es gebe keine hundertprozentige Sicherheit (Ernst).

Die gibt es nirgendwo, nicht nur in der Atomkraft nicht, wie in Japan sehen kann, wer nicht mit dem Tunnelblick des politischen Beutej√§gers hinschaut. Die Zahl der Toten ist noch ungez√§hlt, es sind sicher viele Tausend, die meisten von ¬†Erdbeben und Tsunami get√∂tet. Die Verw√ľstungen im Land sind unvorstellbar, ebenfalls ein Werk der Naturgewalten, keineswegs der Atomkraft.

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