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Anruf bei der Corona-Hotline des Landkreises Rosenheim. Das ist etwas kompliziert. Auf der Website des Landkreises ist eine Nummer angegeben. Ruft man die an, landet man bei einer automatischen Ansage: „Dieser Anschluss ist nicht erreichbar.“ Das ist seit Tagen unverändert so.  Also rufe ich die zentrale Einwahl des Landratsamtes an. Ein höflicher Mitarbeiter stellt durch. Meistens ertönt dann eine Weile das Klingel-Piepzeichen. Dann folgt eine Ansage, laut der alle Plätze besetzt seien oder man außerhalb der Geschäftszeiten anrufe, worauf das System einen aus der Leitung kickt. Aber einmal ist es mir gelungen, tatsächlich eine Mitarbeiterin zu sprechen. Sie war sogar sehr freundlich.  Ich habe das Gespräch protokolliert.

„Grüß Gott! Ich habe mehrere Fragen.“

„Gut. Fangen Sie an.“

„Ich möchte über Österreich nach Israel fliegen. Wissen Sie, was ich da beachten muss?“

„Leider nein. Das erfahren Sie nur in den Zielländern.“

„Oh Gott. Ich habe da schon einige Webseiten überflogen. Das ist ja uferlos.“

„Ja. Tut mir leid. Aber ich kann Ihnen da nicht helfen.“

Jugendzentrum Bad Aibling: Wegen Corona gesperrt. Wie lange noch?

Jugendzentrum Bad Aibling wegen Corona gesperrt

„Danke. Nächste Frage: Ab wann haben die Kinder eigentlich wieder normalen Unterricht in der Schule? Ich meine das normale Normal, also die ganze Klasse zusammen. Kein Aufmarsch auf aufgemalten Aufstellpositionen, kein geführter Gänsemarsch ins Gebäude, keine Masken, kein Sportverbot. Also das normale Normal.“

„Das wissen wir nicht, wann das wieder geht.“

„Ich will ja gar nicht wissen, wann, also im Sinne von Zeit, sondern unter welchen Voraussetzungen.“

„Dazu haben wir noch nichts.“

„Wie ist das eigentlich generell mit der Freigabe von allem? Also auch Geschäfte, Restaurants, Konzerte, alles halt.“

„Darüber haben wir auch noch nichts.“

„Aber das kann doch nicht ewig so weitergehen mit diesem Ausnahmezustand!“

(Lacht) „Nein, natürlich nicht. Das will doch auch niemand. Wie kommen Sie darauf?“

Hat sich die Exekutive in die Corona-Verordnungen verliebt?

„Na da komme ich deshalb drauf, weil ich nur sehe, dass die Regeln so verfasst sind. Es gelten unter allen Umständen weiter Verbotsregeln. Das seht man ja auch auf Ihrer Website. Sogar bei Inzidenz unter 50 oder unter 35 – es bleibt immer bei irgendwelchen Einschränkungen, sogar massiven. Ich finde nirgendwo, dass es mal reicht und alles wieder normal ist.“

„Also wie gesagt, da haben wir noch nichts.“

„Aber das kann doch nicht sein? Das muss doch irgendwann ein Ende haben. Sie mussten ja selber lachen, als ich nachgefragt habe. Und jetzt merken Sie doch, dass meine Frage gar nicht so abseitig ist. Sonst wüssten Sie da doch was.“

(Lacht wieder, aber verlegen) „Ich frage mal meine Chefin, ob die dazu was weiß. Einen Moment bitte.“

Es knackt in der Leitung. Ich warte. Nach einer Weile ist sie zurück.

„Danke fürs Warten. Also: Meine Chefin sagt auch, dass es dazu noch nichts gibt.“

„Was passiert denn, wenn die Inzidenz auf Null fällt? Oder kurz davor? Eigentlich müsste es doch so sein, dass dann alles vorbei ist. Ich dachte immer, die Vorschriften regeln nur Notfälle. Also, wenn man eine konkrete Gefahr erkennen kann.“

„Leider nicht. Die Regeln bleiben so lange, bis sie aufgehoben werden.“

„Egal, wie die Zahlen sind?“

„Genau.“

„Und was muss passieren, damit die aufgehoben werden?“

„Meine Chefin sagt, das bestimmen Söder und Merkel.“

Ich bedanke mich.

Übrigens: Die Website des Landkreises Rosenheim meldet für den Landkreis heute eine Inzidenz von 51,3 und für die Stadt Rosenheim 45,6. Dabei ist zu bedenken, dass seit knapp zwei Wochen in exzessiver Weise praktisch jeder getestet wird. Eine Steigerung der Tests dürfte nicht mehr möglich sein. Ein Ansteigen der Inzidenz wegen vermehrter Tests hat sich damit also erledigt.

Besonders aufschlussreich diese Zahlen: Im Landkreis gibt es tagesaktuell keine einzige neu gemeldete Infektion mehr, in der Stadt nur noch zwei. Demnach sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz unaufhaltsam weiter. Und doch reden Bundesregierung und Markus Söder davon, sie wollten das Corona-Regime verlängern. Die Exekutive hat sich offensichtlich ins Durchregieren per Verordnung verliebt. Sie mögen sich Normalität offenbar nicht einmal mehr vorstellen.