CDU-Chefkandidat Friedrich Merz hat in der Asyldebatte offenbar einen richtigen Punkt benannt, der bisher aber nicht verstĂ€ndlich rĂŒbergekommen ist. Ihm ging es ja um eine eiheitliche Asylregelung fĂŒr Europa. Demnach muss man wohl tatsĂ€chlich ĂŒber das deutsche Asylrecht nachdenken. Es ist nĂ€mlich eine deutsche Besonderheit. Die Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung schreibt dazu:

Das GG gewĂ€hrt als eine der wenigen Verfassungen der Erde unter bestimmten Voraussetzungen jedem politisch Verfolgten einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf Asyl (Art. 16 a GG) und zieht damit die historischen Lehren aus der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft (1933–45).

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Wirtschaftsminister Peter Altmaier ist es peinlich, dass in „seinem“ Deutschland, in dem er Wirtschaftminister ist, stĂ€ndig die Funkverbindungen abreißen. Naheliegenderweise ist ihm das gegenĂŒber seinesgleichen peinlich. Denen aus seiner Peergroup. Das sind also Minister und Staatsleute aus anderen LĂ€ndern. Diejenigen Dam- und Herrschaften, denen man sich auf EmpfĂ€ngen, Banketten, Konferenzen und dem Bundespresseball begegnet. Altmaiers Szene. Der Kreis von Leuten, wo sie unter sich sind. Lifestyle. Altmaier gehört zur Peergroup der Staatsleute auf Ministerlevel. Staatsleute-Peergroup ist wie Hiphopper, Biker, Hipster, GrĂŒnökos oder Nazis. Man hat seine eigene Sprache, an der man sich erkennt. Man trĂ€gt gewisse Klamottenmarken. Man hört staatstragende Musik und liest hilfreiche Zeitungen. Statt auf dem Bakfiets rollt man in einer Limousine umher und hat – besonders cool und vom Plebs der Parlamentarier nicht zu kopieren – jederzeit einen Jet mit Hoheitspatch am Leitwerk zur VerfĂŒgung. Staatsgrenzen existieren fĂŒr die StaatsmĂ€nner nicht, sie haben nĂ€mlich einen Diplomatenpass (aber den haben auch die plebsigen Parlamentarier). Das Gute an der Minister-Peergroup ist, dass sie nur wenige Mitglieder hat. Okay, auf einer Uno-Vollversammlung drĂ€ngeln sie sich alle. Und vor allem diese unangenehmen Scheichs mit ihrem angeberischen Tross, die schon auf dem Flughafen auffallen, wenn da fĂŒr jeden von denen gleich ein ganzer Flugzeug-Konvoi landet. Oder diese afrikanischen Diktatoren mit ihren Frauen, die wie ChristbĂ€ume behĂ€ngt herumlaufen. Oder dieser Trump, der wirklich glaubt, er sei die Nummer 1 in unserer Peergroup. Und dieser Chines, der immer auf Understatement macht aber nur mit dem Finger schnipst, und Tausende Leute hopsen auf sein Kommando.

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Am 30. November wollen die Vereinten Nationen ein weiteres Paket mit anti-israelischen Resolutionen beschließen. Israel ist offenbar der Teufel der Welt. Gerade erst hat das Land neun Verdammungen der Weltgemeinschaft kassiert. NatĂŒrlich stimmte die Bundesregierung auch gegen Israel, gemeinsam mit Holocaust-Leugnern, Kriegstreibern, Massenmördern, Sklavenhaltern, Feiglingen und Opportunisten. Israel muss schlimmer sein als die alle. Keiner der Holocaust-Leugner, Kriegstreiber, Massenmörder, Sklavenhalter, Feiglinge und Opportunisten hat je so viele Verdammungen der Weltgemeinschaft kassieren mĂŒssen wie Israel. Das war diesmal wenige Tage nach dem 9. November. Zum 9. November schaltete auch Heiko Maas seine zittrige Betroffenheitstonlage ein und schwadronierte ĂŒber die Reichspogromnacht. Bevor er sich dann in die antisemitische Front in der UN-Vollversammlung einreihte.

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Ich bin jetzt Mitglied der CSU. Auf dem Sankt-Martins-Umzug in Tochters Kindergarten habe ich das einem anderen Vater erzĂ€hlt. Er schaute mich ĂŒberrascht an: „CSU? Echt?“ Nach einer Pause: „Wieso?“ Ich bin mir sicher, diese Reaktion werde ich noch hĂ€ufiger erleben. WĂ€re ich bei den GrĂŒnen eingetreten, wĂ€re das anders. GrĂŒne geht in meinen Kreisen irgendwie immer. CSU muss man erklĂ€ren. Und weil es mir gegen den Strich geht, dass man CSU so anders erklĂ€ren muss als GrĂŒne, gerade ĂŒbrigens auch in Kollegenkreisen, genau darum bin ich eingetreten. Jedenfalls war das einer der GrĂŒnde.

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Wenn ein AfD-Politiker irgendeinen provokanten Satz ablĂ€sst, dann bebt Mediendeutschland bis zur Oberkante der nach oben offenen Richter-Empörungs-Skala. Wenn ein Verbrechen zur Debatte steht, bei dem ein rechtsextremer TĂ€ter schlimme Dinge anrichtete – teils wörtlich aus Aussagen vor Gericht zitiert: „Fortpflanzungsrelevante Dysfunktion“; schmerzfrei weder stehen, sitzen oder liegen können nach Bauchdurchschuss; nach Jahren immer noch „eingeschrĂ€nkte Ventilation“ nach Thorax-Durchschuss; akute psychische Symptome nach Verlust des eigenen Kindes; Selbstmordabsichten und konkrete Selbstmordversuche nach Verlust des eigenen Kindes; etc. –, wenn also konkrete Taten zur Debatte stehen, dann bebt rein gar nichts in Mediendeutschland. So etwas wird annĂ€hernd ohne Öffentlichkeit verhandelt.

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Ich möchte gern helfen, die Debatte ĂŒber Holzofen-Feinstaub und -Stickoxide aus der Twitterblase heraus in die Real-Welt zu transportieren. FĂŒr alle Nicht-Twitterer: Angestoßen hat die Debatte @kachelmann. Ihm fiel auf, dass Messstationen unerklĂ€rliche Schadstoffspitzen messen, die mit Autoverkehr und der Dieseldebatte nicht erklĂ€rbar sind. Ausgerechnet Freitagabends, wenn alle gemĂŒtlich zu Hause sitzen, es draußen wenigstens ein bisschen kĂŒhl ist, schießen die Werte in die Höhe und ĂŒbertreffen teils bei weitem die Rushhour-Spitzen. Insofern ist die Diesel-Debatte wirklich gespenstisch. Denn es sind gar nicht die Diesel, die die Luft zuvörderst verpesten. Die grĂ¶ĂŸere Belastung kommt aus Holzöfen. Das ist wiederum insofern verrĂŒckt, als es ein reines Luxusproblem ist. Ich missgönne niemandem einen gemĂŒtlichen Abend. Aber ich habe mehr VerstĂ€ndnis fĂŒr unvermeidliche Abgase als fĂŒr vermeidliche, vor allem dann, wenn die vermeidlichen die schlimmeren sind. Ein bisschen verrĂŒckt ist auch, dass alle möglichen Politiker, vor allem von SPD und GrĂŒnen, stĂ€ndig ĂŒber den Diesel twittern und dass Fahrverbote nötig seien, aber konsequent jeden Hinweis auf die schlimmere Problematik mit den Holzöfen ignorieren. Das geht inzwischen so weit, dass Fahrverbote fĂŒr Diesel nach 24-Stunden-Durchschnittswerten verhĂ€ngt werden sollen, wobei die Grenzwerte gerade nicht wegen der Dieselautos ĂŒberschritten wurden, sondern wegen der Holzöfen. Es wĂ€re nicht blöd, wenn sich die Politik irgendwann doch der RealitĂ€t anpasst statt verzweifelt versucht, die RealitĂ€t ihrer Ideologie unterzuordnen.

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Vor bald drei Wochen flog die MĂŒcke zum ersten Mal in meiner Wohnung herum. Sie war etwas grĂ¶ĂŸer und krĂ€ftiger als die DurchschnittsmĂŒcke. Ihr Körper schimmerte in einem brĂ€unlich-transparenten Farbton, anders als die gewöhnlichen schwarzen MĂŒcken, die man sonst so kennt.  

Meistens sah ich sie allerdings nicht, sondern hörte sie nur, nĂ€mlich nachts im Dunkeln. Sie war stets schon von Weitem beim Anflug zu hören. Ihr FlĂŒgelgerĂ€usch war ungewöhnlich sonor. Sie klang, als habe sie etwas mehr Hubraum als normale MĂŒcken. Wenn sie sich mir nĂ€herte, dann nahm die LautstĂ€rke kontinuierlich zu, bis sie direkt vor meinem Ohr kreiste, wĂ€hrend mein Kopf auf dem Kissen lag. Ich schlug dann immer mit der Hand nach ihr, also auf mein Ohr, oder, wenn ich dachte, dass sie Richtung Stirn abschwirrt, auf die Stirn. Aber ich habe sie nie erwischt. 

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Auch die grĂ¶ĂŸte Demo ist nach paar Stunden zu Ende. Man durfte seine Meinung sagen oder Party feiern oder in unterschiedlichen Anteilen beides davon. Aber ich geh’ heute wĂ€hlen. Und beim WĂ€hlen habe ich mehr zu bestimmen als die Demonstrierer. Das steht so in der Verfassung, der deutschen und der bayerischen. Ich habe mehr zu bestimmen als ein Demonstrierer, auch, wenn ich niemandem sagen, wen ich wĂ€hle. Ich darf heimlich wĂ€hlen, weil auch das im Grundgesetz und in der bayerischen Verfassung steht. Gleiche und geheime Wahlen, so lĂ€uft das in Demokratien. Nichts da mit „Sag’ mir wo Du stehst“, einem der LeitsprĂŒche der #unteilbar-Demo und ihrer UnterstĂŒtzer von der Linkspartei. Da waren sogar nach Angabe der mit der Roten Hilfe und Linkspartei-Strippenziehern verbandelten Veranstalter nur 242.000 Menschen. Und trotzdem behaupten die dreist, sie seien mehr. Nix da! Allein in Bayern dĂŒrfen heute neuneinhalb Millionen wĂ€hlen, und die allermeisten von denen werden das auch tun.

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Der Einsatz der Frakturschrift ist eines der tollsten Beispiele fĂŒr fehlgeleitete Symbolik. Jeder, der Frakturschrift in politischen Kontexten verwendet, folgt einem historischen Irrweg. Die Neonazis irren, die irgendwann begannen, die „Schwabacher“ fĂŒr Propagandamaterial zu verwenden. Die linke Antifa folgt dem Irrtum, wenn sie die Schwabacher als Feindbild-Symbol benutzt. Im bayerischen Landtags-Wahlkampf arbeiten auch die GrĂŒnen mit der vermeintlichen Nazischrift und schieben sie auf einem bemerkenswert hĂ€sslichen Plakat der AfD zu, die sie allerdings gar nicht verwendet (jedenfalls ist mir nichts davon bekannt).

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Nachdem ich hier in Bad Aibling gerade privat in eine recht erregte Diskussion ĂŒber eine Großveranstaltung „gegen rechts“ nach Chemnitzer Vorbild verwickelt war, lese ich heute erleichtert Jana Hensels Kommentar zum 3. Oktober auf Zeit online. Ich bin also doch weder allein noch verrĂŒckt. Manchmal, vor allem jedes Jahr am 3. Oktober, kommt es mir so vor. Ich finde diesen Tag seit jeher grauenhaft. Da feiern ja nur graue Berufspolitiker die Unterschrift auf dem bĂŒrokratischen Papierstapel, der den nunmehr zum Westen gehörenden DDR-BĂŒrgern schlagartig den Wust jahrzehntelanger West-BĂŒrokratie aufzwang. Alle NormalbĂŒrger, also die, die von den BĂŒrokraten als „die Menschen im Lande“ verniedlicht werden, erinnern sich lieber an den 9. November 1989 und den 9. November generell, weil er so griffig alle Facetten der deutschen Geschichte enthĂ€lt, die schönen und die grauenhaften.

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